Gedanken zur Neubaustrecke Gernrode - Quedlinburg

Dr. Karl-Martin Beyse    Im Sommer 2007 habe ich es endlich geschafft, die Neubaustrecke der HSB zwischen Gernrode und Quedlinburg zu befahren. Bei einer anschließenden Wanderung durch das Selketal mit meiner Frau entdeckte ich im "Dampfladen" des Bahnhofes Alexisbad die Broschüre "Quedlinburg - Gernrode (Harz) - Eine neue Schmalspurbahn in Deutschland".
Der in jeder Hinsicht fundierte Text über die Vorgeschichte und die Durchführung des Neubaus stammt von Jörg Bauer - allen Lesern der "Harzbahnpost" sicherlich bekannt als Oberster Betriebsleiter der HSB und auch Mitglied unserer Interessengemeinschaft, die alle Phasen des Baugeschehens dokumentierenden Fotos stammen von Andreas Kaim.
Erhältlich ist diese Broschüre in allen Fahrkartenausgaben der HSB sowie über den "Dampf-Shop" der HSB im Internet (www.hsb-wr.de) zum Preis von 9,90 , sie sollte im Bücherbestand keines Schmalspurfreundes in Deutschland fehlen!

Seit dem 26. Juni 2006 rollt nun der planmäßige Reisezugverkehr der HSB über die neuen Gleise von Gernrode nach Quedlinburg. Damit sind die Naturschönheiten und die lockenden Wanderziele des Selketals von der Welterbestadt Quedlinburg aus gut zu erreichen, und die Angebote von Sonderfahrten erhalten völlig neue Möglichkeiten.
Diese Streckenverlängerung war ohne Zweifel ein Höhepunkt in der Geschichte der Harzer Schmalspurbahnen.

Gehen wir aber einmal 60 Jahre zurück, so stoßen wir auf eine ähnliche Geschichte, die von Jörg Bauer in der Broschüre nur kurz erwähnt wurde, hier aber etwas ausführlicher geschildert werden soll.
Vom Bahnhof Glöwen (Land Brandenburg), an der heutigen Kursbuch-Strecke 204 Berlin - Wittenberge gelegen, führte einst eine 9,24 km lange regelspurige Stichstrecke südwärts nach Havelberg. Sie wurde - ähnlich wie unsere Selketalbahn - auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration als Repa-rationsleistung im Januar 1946 demontiert.
Die Stadt Havelberg benötigte aber aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt einen Bahnanschluß. So wurde im Jahr 1948 die Strecke mit gebrauchtem Schienenmaterial aus dem Prignitzer Schmalspurnetz (750 mm) wieder aufgebaut. Der Güterverkehr nach Havelberg erfolgte nun mit Hilfe von Rollwagen.
Im Jahr 1971 wurde jedoch das gesamte Schmalspurnetz der Prignitz - damit auch diese Strecke - stillgelegt.

Durch die nun erfolgte Anbindung von Quedlinburg an das Netz der HSB wurde übrigens ein Projekt hinfällig, welches seit 1994 im damaligen Landkreis Quedlinburg diskutiert worden war - ein Dreischienengleis zwischen Gernrode und Quedlinburg. Darüber sinnierte unser Vereinsfreund Jost Kruse (Harzbahnpost 4/2002, Seite 23-23), als er über das im Jahr 1998 verlegte und ab Sommerfahrplan 1999 in Betrieb genommene Dreischienengleis zwischen Putbus und Lauterbach-Mole berichtete.
Er schrieb damals: "So viel zu dem Geschehen an der Ostsee. Wäre aber eine derartige Investition am Harz realistisch oder gar möglich? Sollten alle beteiligten Gremien und Politiker dahinter stehen, wer weiß - vielleicht fährt zum 125-jährigen Jubiläum der Selketalbahn der erste Zug der HSB in Quedlinburg ein."
Heute, fast sechs Jahre später, wissen wir: Es hat nicht bis 2012 gedauert, und die Idee vom Dreischienengleis ist mit der Stillegung der Normalspurstrecke im Jahr 2004 "gestorben".

Zum Abschluß dieser Zeilen, welche die durch hohe Investitionen erreichte und bemerkenswerte Neuerung im deutschen Schmalspurnetz zum Inhalt haben, hier noch ein Zitat aus der Broschüre. Der "Ausblick" von Jörg Bauer endet: "Der Erfolg der neuen Eisenbahnstrecke wird natürlich an der Zahl der Fahrgäste gemessen werden. Insoweit sollten alle Freunde der schmalen Eisenbahn im Harz die neue Strecke rege nutzen. Wünschen wir abschließend der HSB stets eine gute und unfallfreie Fahrt auf der neuen Strecke nach Quedlinburg."





Inhalt