Kirchenglocke auf HSB-Gleisen unterwegs

Holger Prochnau    Ein Gütertransport der besonderen Art auf den Gleisen der HSB fand am 24.06.2007 statt. Eine Kirchenglocke aus Bronze mit etwa 820 kg Gewicht wurde von Gernrode auf dem Rungenwagen 99-04-73 nach Straßberg gebracht, dort wurde sie auf einen Traktor-Anhänger verladen und zur Kirche in Straßberg transportiert.
Der Grund für diese ungewöhnliche Aktion liegt 84 Jahre zurück. Im I. Weltkrieg wurden zwei Glocken aus Straßberg eingeschmolzen und zu Patronenhülsen verarbeitet. 1923 wurde dann eine neue Glocke angeschafft - diese wurde damals auch mit der Schmalspurbahn in den Ort gebracht und nach einem Festumzug und einer Glockenweihe in der Kirche ihrer Bestimmung übergeben.
Leider war die Glocke von 1923 aus Stahl, wahrscheinlich aus Kostengründen - die Inflation lähmte das Wirtschaftswesen in Deutschland. Bronzeglocken können hunderte Jahre alt werden, Glocken aus Stahl- oder Eisenguß haben aber nur eine Lebensdauer von wenigen Jahrzehnten. Somit war der Ersatz der Glocke von 1923 erforderlich.
In Anlehnung an das Glockenfest 1923 stellte die Einwohnerschaft von Straßberg einen Festumzug auf die Beine, der sich sehen lassen konnte. Alte landwirtschaftliche Technik, Harzer Trachten, Spielmannszüge und viele andere nahmen teil. Nach der Glockenweihe wurde dann die Glocke in den Kirchturm gezogen.
Der Bürgermeister von Straßberg (Wilhelm Banse) stellte überrascht fest: "So viele Menschen waren in Straßberg seit ewigen Zeiten nicht gleichzeitig auf den Beinen!", denn etwa 1000 Besucher nahmen teil - bei einer Einwohnerschaft von knapp 800 Personen eine stolze Leistung. Man übertrage dieses Verhältnis auf ein Volksfest in einer Stadt wie Wernigerode, Berlin oder Hamburg …

Foto (Holger Prochnau): Die Glocke mit der Inschrift "Vertrauen" wurde am Nachmittag des 23.06.2007 in Gernrode auf den Rungenwagen 99-04-73 verladen und anschließend noch mit Blumenschmuck versehen.




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