99 6101 als Gastlok bei der Brohltalbahn im Juni 2007

Ralf Merten    Die Brohltahlbahn feiert in diesem Jahr Jubiläum - 30 Jahre Vulkanexpress. Dafür hatten sich die Eisenbahner der Brohltalbahn einiges einfallen lassen. Unter anderem sollten im Zeitraum vom 10. bis 17. Juni 2007 Dampfsonderzüge von Brohl nach Engeln verkehren, und da die Lok 11 der Brohltal-Eisenbahngesellschaft (BEG) seit vielen Jahren nicht mehr betriebsbereit ist, mussten halt Gastloks her. So kamen die 99 6101 der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) und die Lok 5 der Selfkantbahn zu dieser am Rhein gelegenen herrlichen Schmalspurbahn.
Am 5. Juni 2007 wurde der Fiffi in der Wagenhalle in Wernigerode auf einen Tieflader verladen, auf dem er sein Ziel am Folgetag vormittags erreichte. Wir, das waren Jens Ehrhard, Winfried Poppe und der Verfasser, machten uns derweil mit dem PKW auf Achse ins Brohltal. Durch diverse Verspätungen kamen wir erst eine Weile nach Mitternacht an und krochen auch gleich in die Betten der BEG-Übernachtung. Nach einem Frühstück in dem Aufenthaltsraum unter der Übernachtung ging es dann zum Güterbahnhof von Brohl.

Foto (Ralf Merten): Die beiden Dampflokomotiven der Brohltalbahn sind leider derzeit nicht betriebsbereit, deshalb lud man sich zum Jubiläum Gastlokomotiven ein. Im Vordergrund die Lok 5 der Selfkantbahn, links dahinter die Px 48 der Brohltalbahn (eine aus Polen stammende Schmalspur-Schlepptenderlok), ganz links hinter der Px 48 (leider nur teilweise auf dem Foto) die Malletlok 11sm der Brohltalbahn.
Hinter den Dampflokomotiven, etwas höher, steht die Diesellok D 2 der Brohltalbahn mit einem Personenwagen.

Vielleicht noch ein paar Erläuterungen zu den Bahnhofsanlagen. Wir waren also auf dem Gelände des Personenbahnhofes mit eigener Werkstatt sowie Abstellhallen und Schuppen. Ein Gleis verbindet diese Anlage mit dem Güterbahnhof, wobei dazu eine Straße und eine DB Rheinstrecke überquert werden muss. Vom Güterbahnhof, welcher eine Etage tiefer liegt, gibt es ein Gleis zum Hafen. Die 99 6101 wurde nun vom Tieflader auf die Gleise der BEG abgeladen und dann von einer dreiachsigen Diesellok zum Personenbahnhof zum Anheizen und Aufrüsten geschleppt. Holz zum Anbrennen war vorhanden und so gab es keine Probleme.
Vor den eigentlichen Jubiläumsfahrten wurde mit dem obersten Betriebsleiter dieser Bahn erst einmal die Strecke befahren, auch um festzustellen, wie weit die Wasservorräte reichen, und es musste unter bestimmten Vorraussetzungen geklärt werden, ob die Lok steilstreckentauglich ist. Das Streckenteil von Oberzissen nach Engeln ist eine Steilstrecke (die einzige mit schmaler Spur in Deutschland) und wird nach besonderen Vorschriften betrieben. Es geht hier besonders um die Anforderungen an die Bremsen und dass ein sicherer Betrieb des Dampfkessels gewährleistet ist. Diese Vorraussetzungen haben Personal und Lok bestanden.

Foto (Ralf Merten): Die maximale Steigung bei der HSB befindet sich auf der Selketalbahn zwischen Mägdesprung und Sternhaus-Ramberg mit 1:25 (40 o/oo), dies ist noch keine Steilstrecke. Die letzte noch vorhandene Schmalspur-Steilstrecke in Deutschland ist das letzte Stück der Brohltalbahn nach Engeln, dort beträgt die Steigung 1:20 (50 o/oo), die eingesetzten Fahrzeuge müssen besonderen Forderungen genügen, um "steilstreckentauglich" zu sein. Nach verschiedenen bestandenen Prüfungen klebt der Eisenbahn-Betriebsleiter der Brohltalbahn, Uwe Henrich, den Aufkleber "Für Steilstrecke" an die 99 6101.

Einem Einsatz auf der Steilstrecke stand nun nichts mehr im Wege. An den nächsten zwei Wochenenden fuhren wir Züge in verschiedenen Varianten, mit und ohne schiebenden Triebwagen, Reise-und Güterzüge, und nach Feierabend war auch einmal eine Fahrt mit der Handhebeldraisine bis nach Burgbrohl zum Abendessen in die Bahnhofsgaststätte (das sind 5,5 km immer bergan) dabei. Wir haben auch das geschafft, mit zwei Pausen! Ob uns nur das leckere Essen beflügelt hat oder auch ein bisschen die nette Bedienung, bleibt dahingestellt.
Vielleicht noch ein paar Bemerkungen zur Strecke. Ursprünglich führte die Strecke von Brohl bis nach Kempenich. Der Abschnitt Kempenich - Engeln (ca. 6 km) wurde aber 1974 stillgelegt und abgebaut, nachdem der Reisezugverkehr schon 1961 aufgegeben wurde. Die Strecke steigt ab Bahnhof Brohl stetig an und folgt in einem teilweise sehr schmalen Tal dem Brohlbach und teilt sich dieses noch mit einer Bundesstraße. Vor Burgbrohl musste ein Viadukt (140 m lang und 11,30 m hoch) und ein 96 m langer Tunnel angelegt werden. Ab dem Bahnhof Burgbrohl weitet sich das Tal immer mehr und der Reisende hat einen immer schöneren Ausblick auf die Gebirgszüge der Vulkaneifel.
In Oberzissen, kurz vor der Einfahrt in die Steilstrecke, gibt es noch drei Brücken. Beeindruckend hier die "Talbrücke Oberzissen" mit einer Gesamtlänge vom 44,30 m und einer Höhe von 9,10 m. Die Strecke erlaubt Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Es gibt auch ein paar Langsamfahrstellen mit 5 km/h, aber im Großen und Ganzen können die Kollegen dort stolz auf den Zustand ihrer Gleise sein.

Foto (Ralf Temme): Die 99 6101 mit einem bunt gemischten Zug bei Oberzissen.

Foto (Ralf Temme): Trecker gegen Zug - wer wird das Rennen wohl gewonnen haben?

Foto (Ralf Merten): Neben historischer Eisenbahntechnik gab es bei einem Treffen von Straßen-Oldtimern auch historische LKW zu bestaunen - hier drei Magirus-Deutz, ein "Opel-Blitz" und ein Krupp-LKW.

Ab Oberzissen geht es dann im steilen Stück ca. sechs Kilometer richtig zur Sache, da hängt der Zug so richtig am Haken. Da hört man nur noch den Auspuffschlag der Lok, das Knirschen der Schaufel in der Kohle beim Schippen und die Strahlpumpe, welche pumpt und pumpt und pumptů. Denn was da aus der Esse kommt, muss wieder durch neues Wasser ersetzt werden. Im Kessel muss immer genug Wasser sein. Tja und bergab, da heißt es bremsen und aufpassen, dass der Zug nicht zu schnell wird. Die Fahrten dort waren toll, aber fast noch besser sind die Leute vor Ort, ein Menschenschlag, bei dem ich mich sofort wohlgefühlt habe. Sie haben für uns alles möglich gemacht, als ob wir was ganz Besonderes wären. Dazu gehört das gemeinsame Frühstücken mit frischem Kaffee und Brötchen, gemütliche Abende am Grill oder im Biergarten vom Bahnhof Burgbrohl. Einfach nur sitzen, quatschen und "Kölsch" trinken (oder in meinem Fall Wein vom Ahrtal). Da geht die Zeit viel zu schnell hin, und am 18. Juni 2007 sind wir schon wieder im Auto auf der Autobahn in Richtung Heimat, und das Handy klingelt, und die Arbeit ruft an, und der Alltag hat dich wieder. Rückblickend waren das so meine Erinnerungen an die Zeit im Brohltal. Wer neugierig geworden ist, sollte sich ruhig mal in dieser wunderschönen Gegend umsehen und mal über den Tellerrand der Eisenbahn hinausschauen.

Foto (Ralf Temme): Auf der Steilstrecke wurden Mensch (Lokführer und vor allem Heizer) und Maschine voll gefordert - hier bei Brenk/Fußhölle. Für die idyllische Landschaft der Vulkaneifel wird das Lokpersonal in diesem Moment wahrscheinlich keinen Blick übrig gehabt haben ...



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