Letzte Meldung! - Mit dem Dampfzug bis nach Halberstadt?

Eigentlich ist bei der "Harzbahnpost" spätestens am Quartalsende (bei dieser Ausgabe also am 31.03.2006) Redaktionsschluß, da die "Harzbahnpost" bekanntlich vierteljährlich erscheint und über das zurückliegende Quartal berichten soll. Einen Tag nach dem 31.03.2006 erreichte uns jedoch eine Nachricht, die wir den Lesern nicht vorenthalten können und wollen ...

Mitteldeutsche Zeitung,
Quedlinburger Harzbote


Land will Schmalspurbahn verlängern - Zustimmung in Region


Wenige Wochen nach der Freigabe der Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg wird in Magdeburg bereits über ein weitergehendes Bauprojekt nachgedacht. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) bestätigte jetzt gegenüber der MZ Gerüchte, wonach ernsthaft über eine Gleisanbindung Halberstadts an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH nachgedacht werde.

VON UNSEREM REDAKTEUR DENNIS LOTZMANN

Harz/MZ. In den Koalitionsverhandlungen für die avisierte schwarz-rote Landesregierung steht das Thema auf der Agenda überraschend weit oben: Das Millionenprojekt einer weiteren Verlängerung der Selketalbahn von Quedlinburg bis in die künftige Kreisstadt Halberstadt. Für Verkehrsminister Daehre nur "logische Konsequenz" nach dem Bau der über sechs Millionen Euro teuren Trasse von Gernrode bis in die Welterbestadt Quedlinburg: "Wir würden so im Landkreis Harz ein touristisches Zentrum mit dem Verwaltungssitz optimal verbinden.", stellte Daehre klar und erinnerte an den touristischen Effekt: Eine solche Trasse würde die Harzregion deutschlandweit noch bekannter machen.
Die Vorzeichen sind - bei genauem Hinschauen - mehr als günstig. Sowohl die Halberstädter Straßenbahn als auch die Harzer Schmalspurbahn verkehren auf einer 1000-Millimeter-Spur, so dass beide Verkehrsträger die Trasse nutzen könnten. Eine Idee, die sich bei den Politikern in der Region mittlerweile herumgesprochen hat. So begrüßen die beiden Landräte Wolfram Kullik (SPD/Quedlinburg) und Henning Rühe (parteilos/Halberstadt) die "schnelle öffentliche Verbindung" zwischen beiden Städten per Straßenbahn. Und Kullik sieht vor diesem Hintergrund und der aktuellen Diskussion um den Sitz der Kreissparkasse Harz ein Argument mehr für Quedlinburg: "Wenn die Bürger binnen kürzester Zeit die Distanz überwinden können, ist das ein super Argument."
Stichwort Zeit: Laut des Geschäftsführers der Halberstädter Verkehrs GmbH, Axel Wöhlbier, könnte die knapp 15 Kilometer lange Strecke zwischen beiden Städten aufgrund der wenigen Haltestellen und der hohen Fahrgeschwindigkeit moderner Triebwagen in 10 bis 15 Minuten zu bewältigen sein. Auch Wöhlbier ist mehr als angetan von der Idee und hat sich bereits nach Möglichkeiten umgesehen, den gegenwärtig elf Straßenbahnen umfassenden Fuhrpark der Halberstädter zu erweitern. "Die Halleschen Verkehrsbetriebe wollen Züge abgeben und haben die gleiche Spurweite.", nickt Wöhlbier. Sobald die Landesregierung das Projekt endgültig abgesegnet hat, will Wöhlbier fünf Bahnen bestellen.
Zuvor muss Verkehrsminister Daehre freilich noch das Thema Finanzierung klären. Nach ersten vorsichtigen Schätzungen sind rund 15 Millionen Euro nötig, um die beiden Endpunkte in Quedlinburg und Halberstadt miteinander zu verbinden. Doch Daehre kann auftrumpfen: Mit 13,3 Millionen Euro habe er die nötigen Mittel praktisch bereits fast zusammen.

Das Geld sei ihm gewissermaßen beim Aufräumen seines Büros in die Hände gefallen, schmunzelte der CDU-Politiker. "In der hinteren Schreibtisch-Schublade lag noch ein Bescheid aus dem Struktur-anpassungsprogramm der EU. Den hatten wir doch glatt vergessen. Da das Geld bis Ende 2007 verbaut sein muss, müssen wir nun schnell handeln.", betonte Daehre.
Mit einem solchen Lückenschluss würde freilich nicht gänzliches Neuland beschritten. In Nordhausen, dem südlichen Endpunkt der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), rollen Dampfzüge und Triebwagen der Straßenbahn bereits seit Jahren über ein gemeinsames Gleis - Grundgedanke des "Nordhäuser Modells": Triebwagen der HSB fahren bis auf den Bahnhofsplatz und halten dort an einem gemeinsamen Bahnsteig mit der Straßenbahn. Umgekehrt fahren die Triebwagen des Typs "Combino Duo" bis zum HSB-Haltepunkt Ilfeld-Neanderklinik.
Die Nordhäuser haben sich beim Fahrzeugpark für den Typ "Combino" entschieden, der sowohl mit elektrischer Energie aus der Oberleitung (Straßenbahn-Bereich), als auch mit Diesel (auf der HSB-Strecke) angetrieben werden kann.
Vor diesem Hintergrund hat HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener für heute weitere Gespräche mit seinem Amtskollegen bei der Halberstädter Straßenbahn angekündigt. "Wenn wir statt der elektrischen Straßenbahnen Triebwagen auf Dieselbasis einsetzen, würden wir die Kosten für die Elektrifizierung sparen.", so Wagener mit Blick auf die bestehende Finanzierungslücke, die sich so schließen ließe.



Foto (HSB): Erste Probefahrten der in Halberstadt gebauten HSB-Triebwagen auf dem Streckennetz der Halberstädter Straßenbahn haben bereits stattgefunden!
Hier einer der 1999 gebauten Triebwagen in der Innenstadt von Halberstadt (Gröperstraße), im Hintergrund oben rechts ist der Dom von Halberstadt zu erkennen.






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