Faust - Die Rockoper auf dem Brocken

Holger Prochnau    "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe gehört ohne Zweifel zu den herausragenden Werken der deutschen Literatur. Kann man dieses "Heiligtum" mit moderner Kunst verbinden?? Man kann - und das Ergebnis ist eindrucksvoll! Die Idee dazu stammt von Dr. Rudolf Volz (50), er hat zusammen mit Künstlern aus seiner Heimatgegend (um Ulm) eine Idee von 1995 umgesetzt. Das Werk "Faust - Die Rockoper" mischt die originalen Texte von Goethe mit Rockmusik der 1970er Jahre - Queen, Kiss, Steppenwolf und andere legendäre Bands lassen grüßen ... Seit Herbst 2005 kann man "Faust - Die Rockoper" als CD-Dreier-Box erwerben. "Faust I" wurde bereits mehrfach als Bühnenversion aufgeführt, "Faust II" liegt ebenfalls inzwischen als Bühnenversion vor. Grundidee der Verbindung von "klassischer" Literatur und moderner Rockmusik ist, auf diesem Wege auch Menschen einen Zugang zu diesem Werk zu verschaffen, die vielleicht "aus Prinzip" noch nie ein "klassisches" Theater von innen gesehen haben ... In Zusammenarbeit zwischen Herrn Dr. König von der HSB, der "Manthey Event Agentur" und dem "Brockenwirt wurde nun "Faust" auf den Brocken geholt. Die Verbindung zwischen "Faust" und "Brocken" liegt auf der Hand. Es heißt, dass sich Goethe von seinen Besuchen auf dem Brocken zu einer Szene inspirieren ließ - der Walpurgisnacht-Szene. Eine der Aufführungen findet auch "zufälligerweise" in der Walpurgisnacht (30.04.2006) statt.



Foto (Holger Prochnau): Mehrere Stunden harte Arbeit waren erforderlich, um aus dem "Goethesaal" auf dem Brocken einen brauchbaren Bühnenraum zu gestalten.

Eine erste Vorstellung des Projektes in der Harzregion fand am 26.11.2005 statt, und es klappte - das durch die oben genannten Partner "geschnürte" Paket fand reißenden Absatz.
Schon vor Weihnachten waren die ersten beiden Termine (04.02. und 30.04.2006) komplett ausgebucht. Aufgrund der Nachfrage "mussten" weitere Termine "nachgeschoben" werden, insgesamt sind für 2006 noch sechs Aufführungen vorgesehen - 29.04.2006 (ausgebucht), 30.04.2006 (ausgebucht), 30.09.2006 (ausgebucht), 01.10.2006 (noch Restkarten), 02.10.2006 (ausgebucht), 02.12.2006 (noch Restkarten).
Wer also noch 2006 "Faust - Die Rockoper" auf dem Brocken erleben will, sollte nicht mehr allzu lange überlegen - unter der Tel.-Nr. 03943/558-153 bei der HSB kann der aktuelle Stand der Buchung erfragt werden. Mit Sicherheit wird es aber auch im Jahr 2007 weitere Aufführungen geben.
Im "teuflischen" Preis von 66,66 enthalten sind die Fahrt mit einem Dampf-Sonderzug Wernigerode - Brocken und zurück, die Aufführung selbst sowie der "Teufelsimbiss" in der Pause zwischen den beiden Teilen.
Die mit Spannung erwartete erste Aufführung auf dem Brocken fand am 04.02.2006 statt. Zuvor wurde in stundenlanger Arbeit der "Goethesaal" aus einer Gaststätte in einen annehmbaren Bühnenraum verwandelt. Die Stühle und Tische wurden "ausgelagert", dann wurden die umfangreiche Bühnentechnik und Bühnenausstattung sowie 199 Stühle in den Saal transportiert. Nur für kleinere Dinge stand ein üblicher Personenaufzug zur Verfügung, größere Sachen mussten per Muskelkraft durch ein Treppenhaus gebracht werden. Das Mischpult war die größte Herausforderung - sechs Mann hievten, drehten und kippten das mehrere Zentner schwere Gerät von etwa 2 x 3 m die Treppe hinauf ...

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Foto (Silke Stüber): Der "Mephisto-Express" auf der Fahrt zur Premierenvorstellung.

Nach und nach trafen auch die Künstler ein und spielten bzw. sangen sich warm. Allein der "Sound-Check" war ein Erlebnis und ließ Beeindruckendes für den Abend erwarten.
Ein Angst-Moment war dann noch einmal die bauamtliche Abnahme gegen 17.00 Uhr. Dank der intensiven Vorabsprachen gab es keine Beanstandungen - nicht auszudenken, wenn zwei Stunden vor der Aufführung die Sache "geplatzt" wäre, der Premieren-Sonderzug war bereits unterwegs ...
Bei Ankunft des Sonderzuges stimmte schon das Wetter die Gäste auf das Kommende ein - Nebel waberte gespenstisch über den Brocken, ein kalter Wind pfiff über das Plateau, alle waren froh, als sie die geheizte Brockenherberge erreichten.
Die "Rockoper" begann mit der Darstellung, wie "Mephistopheles" (Kurzform "Mephisto") auf Dr. Heinrich Faust "angesetzt" wird und ihn in einem Moment der Verzweiflung ("Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!") zum Teufelspakt überredet. Nach einer "Verjüngungskur" durch Hexenmedizin freut sich Faust auf das neue Leben - damit endet der erste Akt. Nach einer kleinen Verzögerung in der Pause - schließlich wollte jeder seinen "Teufels-Imbiss" haben - folgte dann der zweite Teil. Faust trifft auf Gretchen, verführt sie mit Mephistos Hilfe und stürzt sie ins Unglück - derweil vergnügt sich Faust in der Walpurgisnacht auf dem Brocken ...
Am Ende wählt Grete lieber den Tod, als das nur durch "Teufelshilfe" weitere mögliche Leben ("Heinrich, mir graust vor Dir!"), damit endet die Rockoper.
Literaturkenner werden nun sagen: "Das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtwerk `Faust I`, die Handlung ist wesentlich vielschichtiger!". Nun - wie oben schon erwähnt - das Werk von Dr. Volz will nicht den "Faust" komplett darstellen, sondern durch die Kombination einiger markanter Szenen mit moderner Rockmusik einen völlig neuen Zugang zu diesem Werk schaffen.
Es ist schwierig bis unmöglich, mit Worten den "Gesamteindruck" aus den Licht- und Bühneneffekten, Live-Rockmusik und der Handlung wiederzugeben. Ohne Übertreibung - es war ein Erlebnis, welches wahrhaft "unter die Haut" ging, wer schon mal an einem Live-Konzert einer Rockband teilgenommen hat, weiß, was ich meine ...
Die Premierengäste waren durchweg begeistert, am Ende gab es "Standing ovations", erst nach mehreren Zugaben kehrte langsam Ruhe im Goethesaal ein.



Foto (Silke Stüber): "Mephisto" (dargestellt von Falko Illing) mitten im Publikum "in Aktion".





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