Die neue Schneefräse der HSB
Jürgen Wolter Wie heißt es doch schon in einem alten Sprichwort: "Was lange währt - wird gut!"
So auch hier bei uns im Harz auf der Harzquerbahn.
Lange Zeit wurde schon über die Problematik diskutiert, ob es bzw. ab wann es eine neue Schnee-räumtechnik für die Harzquerbahn und vor allem für die schneebelastete Brockenstrecke geben wird.
Für die alte, bisher genutzte und in die Jahre gekommene Schneeräumtechnik wurde es immer schwieriger, die erforderlichen Ersatzteile zu erhalten.
Jetzt endlich war bzw. ist es soweit, die neue Schneefräse für die Harzer Schmalspurbahn wurde bestellt und gekauft, am 08.02.2006 wurde sie in Wernigerode angeliefert.
Im Jahr 1979 wurde die erste "moderne" Schneefräse für die damalige Harzquerbahn im Forschungs- und Entwicklungswerk (FEW) Blankenburg der Deutschen Reichsbahn gebaut. Hierzu wurde ein moderner, gut erhaltener, vierachsiger Güterwagen (GGw 99-71-21) der Waggonbaufirma Lowa Bautzen, Baujahr 1949, benötigt. Durch die damit verbundenen umfangreichen An- und Umbauten entstand eine Schneefräse, für welche es bisher auf den Gleisen der Deutschen Reichsbahn kein Vorbild gab. Das Schneeräumen in den Gleisanlagen der Harzquerbahn wurde in den schneereichen Wintermonaten erheblich erleichtert.
Im Jahr 2005 wurde nun durch das Schweizer Unternehmen ZAUGG-AG (siehe www.zaugg-ag.ch), welches in Eggiwil ansässig ist, eine neue Schneefräse für die Harzer Schmalspurbahnen gebaut. Das Unternehmen Zaugg zählt zu den weltweit führenden Unternehmen in der Entwicklung und Herstellung von Schneeberäumungs- und Pistenbearbeitungsgeräten.

Foto (Holger Prochnau): Die neue Schneefräse kam am 08.02.2006 in Wernigerode an, hier auf dem Schwerlasttransporter der Pressnitztalbahn speziell für Eisenbahnfahrzeuge.
Auch für diese neue Schneefräse wurde ein guterhaltenes Spenderfahrzeug der Harzer Schmalspur-bahn benötigt. Die Auswahl fiel auf den 1991 gelieferten und im Raw Meiningen gebauten Schneepflug SPO 073. Dieses Fahrzeug bewährte sich nicht besonders im Harz, war aber neu und somit kaum im Einsatz. Der Rahmen mit den Achsen des Schneepfluges sowie die Druckluftbremsanlage eines Roll-wagens wurden zur Herrichtung des Basisfahrzeuges (Fahrwerk) benötigt.
Die eigentliche Arbeitsmaschine, die neue Zaugg-Schneefrässchleuder-Einheit, wurde drehbar (180°) auf das vorhandene Basisfahrzeug gearbeitet. In Anlehnung an ihren Schweizer Vorgänger (Rhätische Bahn, Modell SF 10293) verfügt die neue Schneefräse über ein mittig geteiltes Fräswerk, welches sowohl horizontal, wie auch vertikal verstellt werden kann.
Als die absolute Neuheit gegenüber der alten Harz-Schneefräse sei der vor der eigentlichen Schnee-auswurfvorrichtung vorgelagerte, schneckenartige, quer zur Fahrtrichtung angeordnete Schneeeinzugs-wendel genannt. Hierdurch soll der Schnee kontinuierlicher in das Fräswerk gezogen und somit leichter und weiter durch die Schneeschleuderauswurfeinrichtung weg von den Gleisanlagen befördert werden.
Anfang Februar versagte die alte, betagte Schneefräse bei einer verharschten, teilweise auch vereisten Schneedecke von einem Meter Höhe (Verwehungen bis drei Meter) kurz vor dem Brocken ihren Dienst.
Noch mitten in der Erprobung sollte es am 12.02.2006 für die neue Schneefräse nun ernst werden. Auf ihrer Jungfernfahrt von Wernigerode zum Brocken übernahm sie sofort diese wichtige Aufgabe und erreichte ohne Schwierigkeiten den Bahnhof Brocken.
Sind die Zeiten der Konstruktion und Herstellung dieser beiden Schneefräsen noch so verschieden, aber eins haben sie doch gemeinsam, die alte und neue Schneefräse. Ihre Feuertaufe erhielten beide Schneefräsen auf der für die Bahn so lebenswichtigen Brockenstrecke.

Foto (Jürgen Steimecke): Montage der neuen Schneefräse in der HSB-Werkstatt - deutlich erkennt man das geteilte Fräswerk.

Foto oben (Thomas Reschke): Nach der Montage musste sich das HSB-Personal zuerst mit der neuen Schneefräse vertraut machen, unter anderem ist heute natürlich wesentlich mehr Elektronik "an Bord" als anno 1979.
Bei ersten Fahr- und Bedienversuchen, hier vor der neuen Fahrzeughalle der HSB, wurde ausgiebig geübt. Ein großer Vorteil gegenüber der alten Fräse ist die Tatsache, dass die Räumeinheit auf dem vorhandenen Fahrgestell um 180 ° gedreht werden kann.
Foto unten (Thomas Reschke): Schon bei der ersten Fahrt zum Brocken musste die in der Schweiz gebaute Schneefräse ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Wo Tage zuvor die alte Fräse nicht weiterkam, bekam sie ihre Feuer- bzw. Schneetaufe - sie kämpfte sich durch und erreichte den Brocken!


Hier ein direkter Vergleich der alten und der neuen Schneefräse:
Foto oben (Uwe Koch): Die 1979 gebaute Schneefräse besitzt einen ungeteilten Räumkopf, dieser kann nur geringfügig in der Höhe verstellt werden, die Räumbreite wird über verstellbare Bleche beeinflusst. Gerade bei sehr hartem Schnee oder bei nassem, klebrigen Schnee ("Backschnee") versagt diese Bauart - entweder wurden Löcher in den Schnee "gedrechselt" oder die Schleuderräder wurden zu einem einzigen rotierenden Klumpen ...
Foto unten (Jürgen Steimecke): Die neue Fräse - geteilter Räumkopf, in der Höhe etwa zwei Meter verstellbar, außerdem jeder Fräskopf separat seitlich schwenkbar. Eine weitere Verbesserung sind die horizontal liegenden Schnee-Einzugswendel, die Schnee jeder Art zunächst "zerraspeln" und dann den Schleuderrädern zuführen.

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