Streckenverlängerung nach Quedlinburg nun in Betrieb
Jörg Bauer Schon in den letzten Ausgaben der "Harzbahnpost" wurde über den Baufortschritt bei der Verlängerung der Selketalbahn berichtet. Hier noch ein kurzer Überblick über die letzten Arbeiten und - vor allem - über die festliche Inbetriebnahme am 4. März 2006.
Noch im Dezember 2005 wurde die Gleisverlegung von Gernrode (Harz) nach Quedlinburg abge-schlossen. Mitte des Monats Dezember waren auch die Arbeiten der Stopf- und Richtmaschine abgeschlossen, es wurde mit dem Verschweißen der Schienen begonnen. Dabei wurden die Schienen weitestgehend lückenlos verschweißt.
Im Januar und Februar 2006 wurden noch eine Reihe von Restarbeiten durchgeführt. Aufgestellt wurden die neuen Signale (Bü 4, Lf 6 und 7, Ne 1, Ra 10 und Ra 11), die Bahnübergangs-sicherungsanlagen in Quedlinburg-Quarmbeck und in Quedlinburg Posten 59 und 60 wurden wieder in Betrieb genommen (Reichsbahn-Altanlagen). Bemerkenswert ist, daß auf der neuen Strecke die Geschwindigkeitssignale sowie die Pfeifsignale nunmehr entsprechend gültiger Signalordnung aufgestellt wurden. Eine Umstellung im Gesamtnetz der HSB wird bis 2008 folgen (Die bisherige Anwendung der Signale Lf 4 und 5 sowie Pf 2 ist in der Sammlung betriebsdienstlicher Vorschriften der HSB geregelt.). Erstmals im Streckennetz der HSB ist jetzt eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zugelassen. Witterungsbedingt blieben einige Leistungen noch offen, dies betrifft z.B. den noch zu errichtenden Wasserkran im Bahnhof Quedlinburg. Am 17. Februar wurde dann die in Gernrode (Harz) noch vorhandene Gleislücke geschlossen, die Strecke nach Quedlinburg war nun wieder eine vollwertige Eisenbahninfrastruktur.
Der Betrieb der neuen 8,954 km langen Strecke erfolgt wie bei allen Strecken der HSB im Zugleitbetrieb, zuständig ist der Zugleiter in Nordhausen Nord. Zugfolgestellen sind neu Bad Suderode, Quedlinburg-Quarmbeck und Quedlinburg. Bis zur Fertigstellung der neuen Bahnübergangssicherungs-anlagen in km 7,5 (Suderode, hier wird die Straße zum Fußweg zurückgestuft werden, so daß Umlaufgitter als Sicherung zukünftig genügen) und 7,7 (Bückeberg, hier wird eine neue automatische Halbschrankenanlage errichtet) muß vor diesen Bahnübergängen gehalten werden, die Sicherung erfolgt durch Posten. Die drei mechanischen Vollschrankenanlagen in Quedlinburg (Stresemannstraße, Albert-Schweitzer-Straße und Gernröder Weg) werden bis zur Umstellung auf automatische Anlagen von der DB Netz AG im Auftrag der HSB bedient.
Die erste Fahrt mit einem Eisenbahnfahrzeug der HSB von Gernrode (Harz) nach Quedlinburg erfolgte dann am 22. Februar u.a. im Beisein des Projektleiters der HSB, dem Abteilungsleiter Leit- und Sicherungstechnik, Uwe John, und des Verfassers. Die Fahrt diente dem Zweck der Personalschulung (Erwerb der Streckenkenntnis durch die Zugpersonale). Dazu wurde die Strecke dreimal hin und zurück befahren. Triebfahrzeugführer an diesem ersten Tag waren Marco Kowalski, Sigurd Gumz, Roger Zilling und Bernd Kapahnke. Weitere Personalschulungsfahrten erfolgten dann noch am 24. Februar. Zum Einsatz kam in beiden Fällen Triebwagen 187 012.
Ein weiteres wichtiges Datum war der 1. März. An diesem Tag erfolgte die Abnahme der neuen Strecke durch den Landesbevollmächtigten für Bahnaufsicht, vertreten durch Michael Koch und Thomas Bernhard. Für die HSB beteiligt waren Uwe John und der Verfasser, für die Baufirmen der "Arbeitsge-meinschaft (Arge) Quedlinburg" Wilfried Mai. Zum Einsatz kam wieder Triebwagen 187 012 von Gernrode (Harz) nach Quedlinburg und zurück (Triebfahrzeugführer Roger Zilling). Besichtigt wurden bei mehreren Halten auf der freien Strecke u.a. die Gleisanlagen, Bahnübergänge und Durchlässe. Nach der Rückkehr in Gernrode (Harz) konnte durch die Vertreter der Eisenbahnaufsichtsbehörde und der HSB gemeinsam festgestellt werden, daß zwar noch Restarbeiten und Arbeiten zur Beseitigung kleinerer Mängel erforderlich seien, insgesamt die Arge aber eine gute Arbeit geleistet hätte. Insoweit konnte die Eisenbahnaufsichtsbehörde die Genehmigung zur Aufnahme des Probebetriebes erteilen. Nach Erledigung der Restarbeiten und Beseitigung der noch vorhandenen Mängel wird es dann eine Endabnahme geben.
Eine weitere Fahrt vor der offiziellen Eröffnung fand dann noch am Abend des 3. März mit dem Triebwagen 187 011 statt. Sie diente letzten Abstimmungen für die für den Folgetag geplante Veranstaltung.
Der 4. März war dann der Tag der offiziellen Eröffnung der neuen Strecke für den Sonderreisezugver-kehr. Die Aufnahme des Regelreisezugverkehrs ist nach Ausbau der Bahnübergänge an km 7,5 und 7,7 für den 26. Juni geplant.
Dazu gab es in Gernrode (Harz) und Quedlinburg Bahnhofsfeste, in Gernrode (Harz) auch die Präsentation einiger Fahrzeuge (99 6102, 187 001 und 187 025 sowie Buffetwagen) und Führerstands-mitfahrten mit 99 6001. Neben Tausenden begeisterten Anwohnern, Touristen und Eisenbahnfans waren auch zahlreiche Politiker erschienen, genannt seien ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, der Minister für Bau und Verkehr, Dr. Karl-Heinz Daehre, der Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, die Landräte aus Quedlinburg und Wernigerode, Wolfram Kullik und Dr. Michael Ermrich, sowie die Bürgermeister aus Quedlinburg, Bad Suderode und Gernrode (Harz), Dr. Eberhard Brecht, Gert Sauer und Werner Grundmann. Alle äußerten sich in Ansprachen und gegenüber den Medien unisono begeistert über die neue Schmalspurbahn, sahen Entwicklungspotentiale für den Tourismus, die Region und die Bahn und sagten der HSB auch weiterhin Unterstützung zu.

Foto (Silke Stüber): Volksfeststimmung im Bahnhof Gernrode, der Eröffnungszug steht schon am Bahnsteig bereit.
Nach einem symbolischen Abfahrsignal durch den Minister für Bau und Verkehr sowie dem Geschäftsführer der HSB, Matthias Wagener, setzte sich kurz nach 17.00 Uhr der Eröffnungszug mit knapp 300 geladenen Gästen in Bewegung. Er bestand aus den Lokomotiven 99 5901 (Triebfahrzeugführer Roger Zilling, Heizer Detlef Jänisch), 99 5902 (Triebfahrzeugführer Dirk-Uwe Günther, Heizer Volker Baake) und acht Wagen des Oldtimerzuges (Zugführerin Anja Rieche). Unterwegs gab es zwei Fotohalte, so daß auch für die Gäste des Zuges die Möglichkeit bestand, diesen auf Foto oder Video zu bannen. In Bad Suderode wurde der Zug vom Bürgermeister begrüßt.
Dem ersten Zug folgte ein zweiter, den jedermann kostenlos nutzen konnte - etwa 450 Gäste nutzten dieses Angebot. Der Zug bestand aus 99 6001 (Triebfahrzeugführer Bernd Kapahnke, Heizer Udo Müller), 99 5906 (Triebfahrzeugführer Marco Kowalski, Heizer Torsten Rieche) und acht rot-gelben Reisezugwagen (Zugführerin Katja Lattner).

Foto (Heide Baumgärtner, HSB): Fotohalt "auf der grünen Wiese" kurz hinter Bad Suderode.
Die Fahrgäste beider Züge verließen diese bereits vor dem Bahnübergang Stresemannstraße in Quedlinburg an einem "Behelfsbahnsteig", um die Einfahrt des ersten Zuges in den Bahnhof miterleben zu können. Diese erfolgte dann gegen 19.15 Uhr durch einen von der Pyrotechnik Silberhütte hergestellten künstlichen "Feuertunnel". Den Abschluß bildete ein großes Feuerwerk, ebenfalls von der Pyrotechnik Silberhütte. Gegen 22.00 Uhr fuhren beide Züge wieder zurück nach Gernrode (Harz).
Bis zur Aufnahme des Regelzugverkehrs Ende Juni wird es noch weitere Fahrten zur Personalschulung in den Monaten März und April geben. Insgesamt mehr als ein Dutzend Sonderfahrten sind bis Ende Juni ebenfalls bereits bestellt.

Oben (Heide Baumgärtner, HSB): Nein, hier brennt keine "richtige" Lok ab - der einfahrende Eröffnungszug wurde in Quedlinburg mit einem Feuerwerk begrüßt, Bestandteil war dieses "Feuerbild" einer Malletlok in Originalgröße.
Unten (Silke Stüber): Schon am Wochenende 11./12.03.2006 fuhren die ersten Sonderzüge ab Quedlinburg, hier eine "Kreuzung" mit dem "HEX" (Harz-Elbe-Express) von Connex.

|