Welterbestadt Quedlinburg erhält Anschluß an das Netz der HSB

Ministerium für Bau und Verkehr - Pressemitteilung Nr.: 162/03 - Auszug
Magdeburg, 19. November 2003        Schienenverkehr:   Weltkulturerbestadt Quedlinburg soll an Netz der Harzer Schmalspurbahnen angeschlossen werden


Die Weltkulturerbestadt Quedlinburg soll in den nächsten zweieinhalb Jahren eine direkte Anbindung an das Schienennetz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) bekommen. Voraussichtlich noch im Dezember werde mit der HSB GmbH eine Vereinbarung über die Verlängerung der Selketalbahn unterzeichnet, kündigte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre heute in Magdeburg an. Im nächsten Jahr soll auf einer Länge von 8,5 Kilo-metern mit dem Umbau des Gleiskörpers begonnen werden. Das Land stellt dafür insgesamt rund sechs Millionen Euro zur Verfügung.
Die Entscheidung über die Anbindung Quedlinburgs an das HSB-Netz sei Bestandteil einer Paketlösung, die darauf abziele, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Land weiter zu optimieren. Im Vordergrund stehe dabei, Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen, so der Minister. "Wo es sinnvoll ist, wollen wir auch in Zukunft gezielt in den Schienenverkehr investieren. Wo sich solche Investitionen nicht lohnen, müssen wirtschaftlich vertretbare Alternativen entwickelt werden."
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Nach Auskunft von Daehre wird dagegen der Schienenpersonennahverkehr auf den Strecken Querfurt-Röblingen, Quedlinburg-Aschersleben und Magdeburg-Belzig zum 14. Dezember abbestellt. Die Nahverkehrsleistungen würden künftig durch einen optimierten Busverkehr abgesichert.
Als Gründe für die Abbestellung nannte der Minister die zu geringe Kundennachfrage auf den Strecken sowie das fehlende Potenzial, mit gezielten Investitionen wieder ein wirtschaftlich vertretbares Fahgastaufkommen zu erreichen.
Laut einer Untersuchung der Nahverkehrsservice GmbH (Nasa), die den ÖPNV im Auftrag des Landes bestellt, sind auf der Verbindung zwischen Querfurt und Röblingen zuletzt nur noch rund 55 Fahrgäste gezählt worden, die den Zug einmal täglich für eine Hin- und eine Rückfahrt genutzt haben. Auf der Strecke Magdeburg-Belzig waren pro Fahrt durchschnittlich zehn Passagiere unterwegs. Die Auslastung der Verbindung Quedlinburg-Aschersleben liegt bei rund 100 Reisenden pro Kilometer Betriebslänge. Für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb wären etwa 500 erforderlich.

Harald Kreibich
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Presseerklärung der HSB

Wernigerode,19. November 2003         Weltkulturerbestadt Quedlinburg wird an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH angeschlossen - HSB hocherfreut über die Entscheidung des Ministers für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt - weiterer Meilenstein in der Geschichte der HSB - Touristenattraktionen wachsen zusammen

Die Entscheidung des Ministers für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, Herrn Dr. Karl-Heinz Daehre, ca. 6,0 Mio EUR für die Anbindung der Weltkulturerbestadt Quedlinburg an das Streckennetz der Harzer Schmalspur-bahnen GmbH (HSB) zur Verfügung zu stellen und den Gleiskörper zwischen dem bisherigen Endhaltepunkt Gern-rode und Quedlinburg auf einer Länge von 8,5 km zu einem 2-Schienen-Schmalspurgleis umzubauen, wird von Seiten der HSB hocherfreut zur Kenntnis genommen.
Matthias Wagener, Geschäftsführer der HSB, wertete diese Entscheidung als einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Geschichte der HSB, der es ab Anfang des Jahres 2006 ermöglichen wird, mit kohlebefeuerten Dampfloks von Quedlinburg aus ohne umzusteigen in das Selketal und in den Harz zu fahren. Zwei Touristenattraktionen mit vielen Millionen Gästen jährlich wachsen zusammen. Das Selketal und alle Anrainer, der Harz, aber auch das Land Sachsen-Anhalt werden durch diese Entscheidung enorm aufgewertet. Es ist äußerst erfreulich, daß diese bereits seit vielen Jahren, auch von der HSB, immer wieder in der Diskussion gehaltenen Vorstellungen - unter anderem durch die Erstellung entsprechender Gutachten - nunmehr durch diese für das Eisenbahn- und Tourismuswesen innovative Entscheidung des Verkehrsministers kurzfristig umgesetzt werden können. Mit der Anbindung von Quedlinburg wächst das größte zusammenhängende Schmalspurbahnstreckennetz Deutschlands von bisher 132 km auf über 140 km an. Die erforderliche Vereinbarung über diese Verlängerung der Selketalbahn wird voraussichtlich noch im Dezember 2003 zwischen dem Ministerium und der HSB unterzeichnet werden.

Harzer Schmalspurbahnen GmbH, Friedrichstr. 151, 38855 Wernigerode Telefon 03943/558 117 und Fax 03943/558 112 HSB online:www.hsb-wr.de ; info@hsb-wr.de; wap.hsb-wr.de Pressesprecherin:pressestelle@hsb-wr.de ;


Jörg Bauer    Die Stadt Quedlinburg soll einen Anschluß an das Netz der Harzer Schmalspur-bahnen GmbH (HSB) erhalten. So geht es aus den in dieser Ausgabe der "Harzbahnpost" abgedruckten Presseerklärungen des Ministeriums für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt und der HSB hervor.
Daß dies für die HSB, das Netz der Schmalspurbahnen im Harz und insbesondere die Selketalbahn eine äußerst positive Entwicklung ist, muß hier nicht näher ausgeführt werden. Statt dessen soll an dieser Stelle auf einige technische Aspekte der vorgesehenen Streckenverlängerung eingegangen werden. Grundlage hierfür ist eine vom Ministerium für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt bei der Deutsche Eisenbahn-Consulting GmbH (DE-Consult) in Erfurt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie.
Danach wird zunächst der Bahnhof Gernrode (Harz) der HSB zu einem Kreuzungsbahnhof mit Rückfallweichen ausgebaut. Hauptgleise werden die Gleise 11 (derzeitiges Bahnsteiggleis) und 12 (zum Bahnsteiggleis paralleles Abstellgleis) sein. Zwischen den genannten Gleisen wird deshalb ein neuer einseitiger Zwischenbahnsteig hergestellt. Am Ende des heutigen Bahnsteiges (aus Richtung Alexisbad gesehen) wird dann die Ausfädelung der neuen Strecke Richtung Quedlinburg mit Umbau der dortigen Weichenstraße erfolgen. Die neue Strecke wird dann quer über die heutige, als solche nicht mehr genutzte Ladestraße verlaufen und etwa in Höhe der Straße Am Töpferstieg die derzeitige Regelspurstrecke erreichen. Damit können die bisherigen Rangier- und Abstellgleise im Bereich zwischen der Triebfahrzeugeinsatzstelle und der ehemaligen Umladung weiter in bisheriger Form genutzt werden, so daß auch zukünftig genügend Abstellkapazitäten für den Regel- und Sonderreiseverkehr zur Verfügung stehen werden. Mit dieser technischen Ausstattung kann der Bahnhof Gernrode (Harz) auch zukünftig ohne stationäres Betriebspersonal betrieben werden.

Bahnhof Quedlinburg


Foto (Jürgen Steimecke): Der Bahnhof Quedlinburg - hier soll ab Anfang 2006 auch ein Schmalspurgleis der HSB liegen.

Gernrode

Fotos (Jürgen Steimecke): Die Normalspur-Bahnhöfe Gernrode (oben) und Bad Suderode (unten) im Dezember 2003.
Bad Suderode


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