Im 21. Jahrhundert wird eine neue dampfbetriebene Schmalspurstrecke gebaut

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Leser der "Harzbahnpost",

wenn an dieser Stelle wie üblich in der letzten Ausgabe der "Harzbahnpost" eines Jahres zurückgeblickt werden soll, dann fällt ein Ereignis im Jahr 2003 wohl ganz besonders ins Gewicht. Das Land Sachsen-Anhalt hat sich im November entschieden, den Anschluß der Weltkulturerbestadt Quedlinburg an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) zu ermöglichen und dafür rund sechs Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Auch wenn bereits seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit über dieses Thema diskutiert wird, die Entscheidung dürfte zumindest einer kleinen Sensation gleichkommen.

Wer hätte in den turbulenten Jahren nach 1990 gedacht, daß im 21. Jahrhundert eine neue Schmalspurstrecke in Deutschland gebaut wird? Hätten wir dies damals jemandem gesagt, man hätte uns wohl für völlig verrückt gehalten. Doch nun wird es Wirklichkeit werden. Nicht nur, daß es der HSB, ihren Gesellschaftern, ihren Mitarbeitern und nicht zuletzt den Ländern Sachsen-Anhalt und Thüringen gelungen ist, daß Schmalspurnetz im Harz in seiner Gesamtheit bis heute zu erhalten, es wird auch weiter bis nach Quedlinburg ausgebaut. Die letzten Neubauten von Schmalspurbahnen in Deutschland sind Jahrzehnte vergangen - 1923 die Strecke von Oberdittmannsdorf nach Klingenberg-Colmnitz in 750 mm Spur als Verbindung vom Wilsdruffer Netz zur Frauensteiner Strecke und 1948 die Strecke Glöwen - Havelberg als Ersatz für die als Reparationsleistung abgebaute Regelspurstrecke ebenfalls in 750 mm Spur. Die Strecke Straßberg (Harz) - Stiege 1983 war "nur" der Wiederaufbau einer abgebauten Strecke. Auch der Einbau einer dritten Schiene auf der Insel Rügen zwischen Putbus und Lauterbach Mole für 750 mm Spur 1999 war kein "echter" Neubau. Insoweit ist die Strecke nach Quedlinburg nach über 50 Jahren der erste Schmalspurbahnneubau in Deutschland.

Natürlich hat diese Schmalspurverlängerung nach Quedlinburg für den Tourismus eine ganz wichtige Bedeutung. Es werden die herausragenden touristischen Attraktionen Welterbestadt Quedlinburg, Schmalspurbahnen im Harz - hier die Selketalbahn und das Selketal miteinander durch genau eine dieser verbunden - die Verbindung selbst wird zur Attraktion, der Weg wird zum Ziel. Viel wichtiger vielleicht ist aber, das Land Sachsen-Anhalt investiert hier in das - aus der Sicht des gesamten Netzes - "Ende" der Selketalbahn. Das Land zeigt damit, es steht zur Schmalspurbahn und zur HSB. Man mag bedauern, daß dabei wieder ein Stück Eisenbahn verloren geht - die Regelspurstrecke Frose - Gernrode (Harz) - Quedlinburg, aber die weitere Sicherung der Zukunft der Selketalbahn (immerhin dann ca. 60 km eines etwa 140 km langen Schmalspurnetzes im Harz) dürfte von weitaus größerer Bedeutung sein. Eine Bemerkung ist an dieser Stelle wohl erforderlich: Das Land Sachsen-Anhalt investiert etwa sechs Millionen Euro, die Region erhält praktisch eine neue Touristenattraktion "geschenkt". Dies sollte für alle Gesell-schafter der Region Anlaß sein, einmal ihren eigenen, jährlichen Beitrag für die HSB in eine Relation zum Beitrag des Landes zu bringen. Wenn man sich diese Relation verdeutlicht, erübrigt sich sicher jeder weitere Kommentar.

Das Jahr 2003 wird aber wohl auch insgesamt für die HSB ein zufriedenstellendes Jahr werden. Gestiegene Fahrgastzahlen und gestiegene Verkehrseinnahmen stehen für eine stetige Entwicklung des Unternehmens. Diese Entwicklung wird sich sicher auch im Jahr 2004 fortsetzen. Die Aufnahme des Betriebes mit Zweisystemstadtbahnwagen zwischen Nordhausen Krankenhaus und Ilfeld Neanderklinik kann dafür eine weitere Voraussetzung sein. Sicher werden auch gerade wieder viele Eisenbahnfreunde diese neue Entwicklung persönlich sich ansehen wollen und so auch die Angebote der HSB nutzen. Dazu sollte aber auch eine Brockenbahnfahrt gehören - hier werden nun einmal bei aller Euphorie für Nordhausen und Quedlinburg die Einnahmen der HSB erzielt.

Zum Schluß sei allen Mitgliedern unseres Vereins, allen Lesern der "Harzbahnpost" ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2004 gewünscht, verbunden mit dem Wunsch nach einem weiteren Engagement für unseren Verein und die HSB und dem Dank für bisherige Leistungen in diesem Sinne.



Dirk-Uwe Günther
Vorsitzender der Interessengemeinschaft
"Harzer Schmalspurbahnen" e.V.



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