Der Steinbruch Knaupsholz
Jürgen Steimecke In dem Forstrevier Knaupsholz zwischen Drei Annen Hohne
und Schierke wurde etwa 1903 durch die Gebr. Schönfeld, aus Blankenburg, direkt neben der 1898 erbauten
Brockenbahn (ca. 1 km östlich des Bf Schierke) ein Granitsteinbruch in Betrieb genommen. Das Gebiet um den
Steinbruch Knaupsholz wurde schon frühzeitig durch die Gewinnung und den Abtransport von Holzkohle wegemäßig
erschlossen. Die Granite aus dem Steinbruch gehören zu den grobkörnigen Randgraniten. Eine graurötliche
Farbgebung ist hier typisch.
Während des 1. Weltkrieges und dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise kam der Granitabbau mehrmals zum
Erliegen. Im Jahre 1936 übernahm L. Zurek aus Dönstedt (heute Bebertal) bei Haldensleben den Betrieb. Er
hatte zuvor den Kreissteinbruch Haldensleben am Kukucksberg bei Dönstedt übernommen. Produziert wurden hier
Schotter und Splitt für den Straßenbau.
Mit der Wiederinbetriebnahme des Granitsteinbruches Knaupsholz stieg Zurek in die Granit-Werkstein-Industrie
des Harzes ein. Hierzu wurden in Wernigerode und Braunlage aus kleineren Steinbruchunternehmen Facharbeiter
(Bruch- und Sprengmeister) abgeworben.
Über ein Anschlussgleis zur Harzquerbahn wurden die bearbeiteten Granitsteine abtransportiert. Innerhalb des
Bruches wurden zunächst Handwinden zum Steintransport eingesetzt. Die Gewinnung und Bearbeitung des Materials
erfolgte ausschließlich von Hand. Von der Bruchsohle zur Verladerampe mit Anschlussgleis (Höhenunterschied
20 Meter) wurde eine Bremsberganlage mit zwei parallel verlaufenden Gleisen (600 mm) und Aufsetzwagen
(auch Kipploren) errichtet, die ohne Einsatz von elektrischer Energie funktionierte. Die abrollenden
beladenen Wagen zogen über eine Doppelwinde die leeren Wagen nach oben.

Foto (Archiv Steimecke): Der Transport des gebrochenen Granits zur Verladerampe erfolgte mit
einer Lorenbahn. Durch geschickte Ausnutzung der Hangabtriebskraft brauchte man zum Betrieb dieser Bahn keine
Energie, nur eine funktionierende Bremse ...
Infolge Fehlens von Bearbeitungsmaschinen wurden die benötigten Sprenglöcher mit Handbohrern eingetrieben,
das gelöste Blockmaterial musste ebenfalls von Hand gespalten werden. Aus dem kleinstückigen Material,
welches durch das Sprengen anfiel, wurden rohe Bausteine und Packlagen durch Hilfskräfte aussortiert, in
Kipploren geladen und über die Bremsberganlage zur Bahnverladung gebracht.
Das für die Werksteinfertigung vorgesehene Rohmaterial wurde auf Plattenwagen den im Freien arbeitenden
Steinmetzen zugeführt. Die Steinmetzen fertigten hier manuell Stufen, Podeste, Brückenquader, Verblender -
Plinthe usw.. Aufgrund der nachlassenden Gesteinsqualität kam es 1937 zum Neuauffahren eines zweiten
Steinbruches (neue Abbaurichtung mit höherer Gesteinsqualität) innerhalb des bestehenden Steinbruches.
In den Jahren 1937 - 1940 kaufte Zurek in Wernigerode zwischen der Ilsenburger Strasse und dem Umladebahnhof
der NWE ein Teilgrundstück der ehemaligen Farbenfabrik A. Dieck mit Anschluss an die NWE und Deutsche
Reichsbahn. Jetzt wurden die aus Wernigerode stammenden Steinmetzen, welche bisher in Knaupsholz arbeiteten,
hierher umgesetzt. Gleichzeitig wurde die Werksteinproduktion nach hier umgelagert. Die Rohsteine wurden nun
vom Steinbruch Knaupsholz mittels Schmalspurgüterwagen nach Wernigerode befördert, entladen - bearbeitet
und als Fertigprodukte mit normalspurigen Güterwagen zum Verbraucher befördert.
Im Steinbruch Knaupsholz wurden jetzt nur noch die Steinmetzen aus Schierke und Braunlage beschäftigt.
Der elektrische Strom erreichte in den Jahren 1939/42 den Steinbruch Knaupsholz. Jetzt konnte zur
Arbeitserleichterung mit Pressluft gearbeitet werden. Im Bruch sowie zur Verladung wurde ein 5 t
Holzderrick-Kran errichtet und in Betrieb genommen.

Foto (Archiv Steimecke): Auch heute noch ist bei einer Fahrt mit der Brockenbahn zwischen Drei
Annen Hohne und Schierke der Steinbruch Knaupsholz deutlich zu erkennen.
Obwohl die Stützmauer (links) und auch das Verwaltungsgebäude (nicht im Bild) direkt neben den Gleisen der
heutigen HSB noch immer existieren, gehört heute doch eine Menge Phantasie dazu, dieses Bild in die Gegenwart
zu übertragen ... Nicht unwesentlichen Anteil daran hat die Natur, die sich inzwischen den größten Teil der
Gleis- und Verladeanlagen "zurückerobert" hat.
Mit dem Ende des 2.Weltkrieges und dem Einmarsch der Amerikaner am 11.04.1945 kam es vorübergehend zum Erliegen der Produktion. Bereits ab dem 01.06.1945 wurde schrittweise die Produktion aufgenommen. Für die
Steinmetzen lagen die Stundenlöhne je nach Arbeitsleistung zwischen 0,70 RM und 1,10 RM, Angestellte
erhielten monatlich zwischen 120,00 RM und 150,00 RM.
Am 05.11.1945 erfolgte die Enteignung des Zurekschen Teilbetriebs Oberharzer Granit- und Betonwerke. 1946
wurde der Betrieb den Industriewerken Sachsen-Anhalt unterstellt.
Im Steinbruch Knaupsholz wurde 1948 ein weiterer Holzderrick aufgestellt; welcher bereits 1959 durch einen
5 t-Kabelkran abgelöst wurde. Zur weiteren Arbeitserleichterung wurden von der Wismut (Freital -
Johanngeorgenstadt) zwei 600 mm Grubenloks mit Akkuantrieb gekauft. Diese Maschinen versahen den
Verschiebedienst im Bereich des Bruches sowie im Bereich der Verladerampe. Für spezielle Verladearbeiten
wurde sogar ein für 600 mm Feldbahn hergerichteter Kranwagen (nicht drehbar) angeschafft. Dieser Kranwagen
befindet sich seit 1970 unter der Inventarnummer 906 im Bestand des Vereins Historische Feldbahn Dresden e.V.
Mit der Aufgabe des Gleisanschlusses am 13.07.1977 wurden diese Akkuloks nicht mehr benötigt und wurden
weiter verkauft. Der Bremsberg mit seiner Einrichtung zum Transport der Loren, der Höhenunterschied für
diese kleinen Loks war zu groß, versah in dieser Zeit weiterhin seinen Dienst.
Heute gehört der Granitsteinbruch Knaupsholz sowie der Steinbruch Kleiner Birkenkopf und das ehem. Stammwerk
der Oberharzer Granitwerke in der Ilsenburger Straße in Wernigerode, zu den Johann Braun,
Baustoffe- u. Natursteinwerke oHG im Industriegebiet West in 95709 Tröstau. Mit moderner umweltfreundlicher
Technik wird hier weiterhin Granitgestein abgebaut. So bezieht unter anderem der Nationalpark Oberharz
Granitgrus und andere Materialien, um die vielen Wanderwege im Brockengebiet mit natürlichen, angestammten
Materialien instandzusetzen. Die ehemalige Bahnverladeanlage und das Wohnhaus mit seinen Wasch- und
Umkleideräumen, welche in früheren Zeiten für die beschäftigten Steinhauer eine wichtige soziale Rolle
spielten, werden heute nicht mehr benötigt.

Foto (Jürgen Steimecke): Der Granitsteinbruch Knaupsholz arbeitet auch heute noch, Gleise
und Eisenbahnanschluß sind aber leider längst Geschichte ...
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