ESTW bis zum Brocken in Betrieb genommen


Jörg Bauer    Nachdem in den vergangenen Jahren bereits die Abschnitte von Wernigerode bis Drängetal (einschließlich) an das neue elektronische Stellwerk (ESTW) der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) angeschlossen wurden, wurde am 8. Mai im dritten und letzten Abschnitt von Drängetal (ausschließlich) bis auf den Brocken der Probebetrieb aufgenommen. Damit konnte eine ca. 6 Mio. EURO umfassende Investition, die ohne die finanzielle Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt nicht möglich gewesen wäre, abgeschlossen werden. Diese Investition dient in erster Linie der Verbesserung der Sicherheit des Eisenbahnbetriebes auf der Strecke Wernigerode - Brocken. So wird das Freisein der Gleise nunmehr durch Achszählkreise geprüft, und an Stelle der Trapez- und H-Tafeln stehen jetzt Hauptsignale (als Ks-Signale). Durch diese Anlagen wird der Irrtum des Zugleiters weitgehend ausgeschlossen und die Irrtumswahrscheinlichkeit des Triebfahrzeugführers deutlich reduziert.
Auf dem jetzt in Betrieb genommenen Abschnitt haben sich einige Veränderungen ergeben, die nachfolgend erläutert werden sollen. Alle Bahnhöfe erhielten Einfahr- und Gruppenausfahrsignale, die bisher mit Trapeztafeln ausgerüsteten Zugfolgestellen Knaupsholz, Bobbahn, Eckerloch und Brockenmoor erhielten Blocksignale. Die Einfahrsignale von Drei Annen Hohne (aus Richtung Schierke) und Schierke (aus Richtung Brocken) wurden mit Vorsignalen ausgestattet.
Zusätzlich wurden im Bahnhof Drei Annen Hohne Fahrstraßen von Gleis 4 nach Schierke und umgekehrt hergestellt. Die Trennungsweiche der Richtungen nach Elend und Schierke (bisher Rückfallweiche) wird jetzt elektrisch fernbedient. Damit entfällt bei betrieblich unbesetztem Bahnhof bei Fahrten in Richtung Elend das Anhalten nach der Ausfahrt zum Zurückstellen der Weiche. Die bisherige Handweiche 9 auf der Nordseite des Bahnhofs ist jetzt eine Rückfallweiche (Grundstellung Richtung Gleis 3), was das Rangieren erleichtert. Das Einstellen der Fahrstraßen auf dem Bahnhof übernimmt der Zugleiter, wozu bei Einfahrten der Örtliche Betriebsbedienstete (ÖBb) blockelektrisch seine Zustimmung gibt. Zum Dienstende schaltet der ÖBb die sogenannte Dauerzustimmung, so daß der Zugleiter allein handeln kann. Die Überwachung der Grundstellung der Rückfallweichen wird auch hier - wie bereits in Wernigerode-Hasserode, Steinerne Renne und Drängetal - durch den Fahrtbegriff der Hauptsignale signalisiert, so daß die Überwachungssignale der Rückfallweichen nur bei Fahrten auf Ersatzsignal oder Befehl bzw. bei Rangierfahrten beachtet werden müssen. Speziell zum Rangieren gibt es auf dem Bahnhof Drei Annen Hohne mehrere Rangierfreigaben (ähnlich wie bereits in Wernigerode-Hasserode), wobei die entsprechenden Hauptsignale dann Kennlicht zeigen. Dazu gibt es Schlüsselfreigaben für die verschiedenen Weichen. Der bisher mit Überwachungssignalen ausgestattete technisch gesicherte Bahnübergang (Halbschranken) in Drei Annen Hohne (Richtung Schierke) wurde jetzt in die Signalabhängigkeit der entsprechenden Ein- und Ausfahrsignale aufgenommen.
Die Bahnhöfe Schierke und Brocken erhielten ebenfalls eine spezielle Rangierfreigabe und Schlüsselsperren. Die Mitwirkung der ÖBb an der Einstellung der Einfahrstraße erfolgt hier genau wie in Drei Annen Hohne. Hinsichtlich der Rückfallweichen ist der Bahnhof Schierke wie Drei Annen Hohne ausgerüstet. Auch im Bahnhof Goetheweg gibt es eine Rangierfreigabe und Schlüsselsperre, die hier allerdings durch die Zugführer der sich einschließenden Züge bedient wird.
Abschließend bleibt festzuhalten, daß die Inbetriebnahme des dritten Bauabschnittes des ESTW in der Nacht vom 7. zum 8. Mai relativ problemlos und ohne geplante bzw. ungeplante Zugausfälle erfolgte. Auch am 8. Mai fuhren nahezu alle Züge planmäßig. Daß dies nicht selbstverständlich ist, zeigen diverse Inbetriebnahmen anderer ESTW. Insoweit kann durchaus auf eine gute Vorbereitung des Herstellers Siemens und der Mitarbeiter des Bereiches Sicherungs-, Fernmelde- und Elektrotechnik der HSB geschlossen werden. Auch die Zugleiter in Wernigerode Westerntor waren nach kurzer Einweisung in der Lage, die moderne Technik ohne Schwierigkeiten zu bedienen. Trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, daß es noch eine Reihe von technischen Mängeln gibt, die durch Siemens in den nächsten Wochen abgestellt werden sollen.
Bereits in der Planung befindet sich jetzt bei der HSB ein weiteres Projekt zur technischen Absicherung des Zugleitbetriebes - ein ESTW in Nordhausen Nord für den Abschnitt bis Ilfeld. Die Inbetriebnahme wird voraussichtlich 2004 erfolgen.


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