Wer war Gerhard Zieglgänsberger?

Siegmar Frenzel     Ich lernte Gerhard Zieglgänsberger 1975 kennen, der sich damals schon als Freund und Kenner des Harzes und der Harzer Schmalspurbahnen identifizierte. So verbrachte er jahrelang einen Teil seines Urlaubs im Harz und erkundete dabei vornehmlich das Umfeld von Straßberg, Güntersberge und Stiege, wie auch Harzgerode, durch Wanderungen und Exkursionen, sprich das Einsatzgebiet der Selketalbahn. Aber nicht nur das Umfeld und der derzeitige Betrieb der Bahn waren für ihn interessant, sondern auch die Historie der GHE (Gernrode-Harzgeroder-Eisenbahn). So erlebte ich ihn öfters, dass er einen Signalstumpf oder Anzeichen ehemaliger Bahnanlagen entdeckt hatte und nunmehr die Einzelheiten und Belange dieses Details erforschte. Damals waren noch der eine oder andere Mitarbeiter von früher vorhanden, die ihm dann durch Mitteilung der Funktionsweise oder Berichten von Erlebnissen Aufklärung verschafften. Sehr eng arbeitete er auch mit dem Wernigeröder Eisenbahnfreund Hans Röper zusammen, die, beide gleichgesinnt, den Beschluss fassten, ein Buch über die Historie der Selketalbahn herauszubringen. Es war ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, was mit Akribie und großem Fleiß vorbereitet und schließlich 1980 vollendet werden konnte und im Rahmen der Transpress-Verkehrsgeschichte erschien. Die Basis dafür bildeten eben die unzähligen Gespräche mit alten GHE-Mitarbeitern, wie auch umfangreiche Recherchen in Archiven. Viele Hürden waren dabei zu überwinden, es mußten diverse Vorschriften berücksichtigt werden im Text, wie auch bei den Bildern, die Verlagsarbeit war abhängig von Materialkontingenten. Somit war das Interesse noch mehr geweckt und er befasste sich mit der Historie weiterer meist schon stillgelegter Bahnlinien.
Sein Hauptaugenmerk lag aber bei den Belangen der nunmehrigen Selketalbahn.
Nach Erscheinen des Büchleins kamen immer wieder Ergänzungen und Zusätze von den Lesern, so dass die zweite Auflage als Ergänzung recht bald im Entstehen war. Abschließend sei zu bemerken, daß durch diese Arbeit der Grundstein für die Entstehung weiterer zukünftiger Bahnfachliteratur gelegt war.
Er war nicht nur ein Kenner der Naturwissenschaften, sondern auch fachlich sehr versiert. Mit viel Geschick baute er Fahrzeuge der GHE in Modellbahngröße nach und brachte sie schließlich auf einem Diorama des Bahnhofes Friedrichshöhe zur Ansicht. Diese kleine Anlage gibt es heute noch, sie befindet sich in der historischen Bahnausstellung der Schule in Güntersberge.
Wir waren schließlich gemeinsam in der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des 100-jährigen Jubiläums der Selketalbahn (7. August 1987) tätig, die unter der Federführung von Hans Röper arbeitete. Diese Arbeitsgruppe brachte die damalige Deutsche Reichsbahn in die Pflicht, das Jubiläum würdig zu feiern.
Die ganze Kleinarbeit - Entwurf von Souvenirs, Organisation von Vorträgen, Koordinierung von Modellbahnveranstaltungen usw. - lag bei dieser Arbeitsgruppe. Die Vereine, wie es sie heute gibt, gab es damals noch nicht.
So gab es bis zu seinem Ableben eine enge Verbindung zu den Harzer Schmalspurbahnen, was auch die langjährige Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft dokumentiert.

Ich verliere in ihm einen langjährigen Freund und werde ihn stets in guter Erinnerung behalten.
Siegmar Frenzel, Harzgerode



Foto (Siegmar Frenzel): Gerhard Zieglgänsberger im Sommer 2011 in seiner Wohnung in Köthen.







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