Rückblicke 2010 - in Zehn-Jahres-Schritten
Jürgen Steimecke Ohne Anspruch auf Vollständigkeit soll hier an einige mehr oder weniger wichtige Ereignisse in der Geschichte der Schmalspurbahnen im Harz erinnert werden.
1900
- Der Bahnhof Goetheweg wird am 17.07.1900 eingeweiht. Das Herrichten der Gleisanlagen kostet die NWE 20.000 Mark, die hölzerne Wartehalle, welche durch den Harzklub errichtet wurde, 3.000 Mark.
- Baubeginn für den neuen Güterbahnhof (später Umladung) am Galgenberg in Wernigerode.
- Schon im Oktober, am 16.10.1900, wird auf der Brockenstrecke (Drei Annen Hohne - Brocken) der Verkehr im Winterhalbjahr erstmalig eingestellt
1910
- Die Malletlokomotiven NWE 31 und 32, Bauart C´Cn4vt, werden von O&K ausgeliefert.
- Der Kreuzungsbahnhof Drängetal wird in Betrieb genommen.
Foto
(Sammlung Steimecke):
Damals und auch für
heutige Verhältnisse eine
riesige Schmalspur-
Dampflok - die NWE 32,
hier im Bahnhof
Westerntor.
1920
- Die spätere NWE Lokomotive 41 (ab 1950 DR 99 5906) wird als Ersatz für eine der im I. Weltkrieg verloren gegangenen NWE-Lokomotiven von der Heeresfeldbahn erworben.
- Im März treten die Eisenbahner der NWE zum ersten Mal geschlossen in den Streik und schließen sich so dem deutschlandweiten Generalstreik zur Niederschlagung des Kapp-Putsches an. Der gesamte Zugverkehr kommt zum Erliegen.
- Die Lokomotive NWE 32 verunglückt am 01.12.1920 nahe Drei Annen im km 48,932 schwer. Die Lok entgleist mit allen sechs Achsen und stürzt um. Der Lokführer Dreibrod wird tödlich und der Heizer schwer verletzt. Anschließend werden die Lokomotiven NWE 31 und 32 abgestellt, aufgearbeitet und nach Bolivien verkauft.
1930
- Nach Beschaffungen in den späten 1920er Jahren werden nochmals neun moderne Reisezugwagen gekauft.
- " Eisenbahndirektor Scharnhorst der NWE besucht Reisebüros in Holland, England, Frankreich und Dänemark und wirbt für einen Besuch im Harz.
- Beginn der Bauarbeiten, um zahlreiche Bögen mit nur 60 m Radius zu vergrößern. Das Ziel ist es, die Fahrzeit von Wernigerode nach Nordhausen zu verkürzen.
1940
- Ein neuer Lokschuppen wird in Nordhausen gebaut.
1950
- Im Eckerloch bei Schierke entsteht ein hölzernes Bahnhofsgebäude mit dazugehörigem Bahnsteig und Umfahrgleis für die ersten gesamtdeutschen Nachkriegs-Wintermeisterschaften. Die Baracke war bis 1953 in Betrieb.
- Die deutschen Wintersportmeisterschaften finden in Schierke statt. 50.000 Reisende müssen trotz des Winters in kürzester Zeit ins Eckerloch befördert werden. Aus Eisfeld in Thüringen werden zwei Dampflokomotiven und mehrere Personenwagen vorübergehend nach Wernigerode umgesetzt.
- Im Bahnhof Wernigerode Westerntor wird zur Bekohlung der Lokomotiven ein Kran in Betrieb ge-nommen. Bisher mussten die Lokomotiven per Hand bzw. mit Körben bekohlt werden.

Foto
(Sammlung Dickhut):
Nur kurze Zeit erleichterte der Kohlekran im Bahnhof Wernigerode Westerntor die Arbeit beim Bekohlen, denn noch in den 1950er Jahren wurden die gesamten Lok-Behandlungsanlagen an den heutigen Standort im Bahnhof Wernigerode verlagert.
Dieser Foto entstand um 1958, im Hintergrund die mit Holz verkleideten, heute auch nicht mehr existierenden Kohlekräne
in der Einsatzstelle am Bahnhof Wernigerode.
1960
- Als Ersatz für das zerstörte Bahnhofsgebäude im Goetheweg wird eine kleine Wellblechbude, eine ehemalige Waschkaue, ausBeständen der ehemaligen deutschen Wehrmacht errichtet.
1970
- Mit dem Ausbau der Weiche, welche zu den Nebengleisen im Bahnhof Niedersachswerfen Ost führte, beginnt ab dem 12.06.1970 der schrittweise Rückbau. Ab 30.10.1970 bis 1979 wird Niedersachs-werfen Ost somit zum Haltepunkt.
- Die Steinverladeanlage oberhalb des Bahnhofs Wernigerode-Hasserode wird zurückgebaut und der Verladebetrieb eingestellt.
- Der Bahnhof Netzkater wird ab dem 29.09.1970 zum Haltepunkt zurückgebaut. Die noch vorhandenen Weichen sowie das Gleis 2 werden ausgebaut.
1980
- Der Zugbahnfunk im Bereich Wernigerode wird ab dem 05.08.1980 eingeführt.
- Im Oktober 1980 wird die doppelte Kreuzungsweiche im Bahnhof Drei Annen Hohne in Richtung Schierke - Elend ausgebaut.
1990
- Als neunter Brockenwirt in der Geschichte des Brockens übernimmt Hans Steinhoff die gastronomische Bewirtschaftung auf dem Brocken.
- Erste Gedanken zur Reaktivierung der Brockenstrecke werden geäußert. Forderungen zur Wiederaufnahme des Zugbetriebes auf dem Streckenabschnitt Schierke - Brocken erscheinen in der Presse.
- Aufgrund des angestiegenen Reiseverkehrs wird ab März 1990 ein zusätzlicher Zug nach Schierke eingelegt.
- Zur Förderung der Harzquer- und Brockenbahn und um den Forderungen nach der Wiederaufnahme des Brockenverkehrs Nachdruck zu verleihen, gründet sich am 27.03.1990 die Interessengemeinschaft "Harzer Schmalspur- und Brockenbahn e.V.", mit Sitz in Wernigerode - heute IG "Harzer Schmalspurbahnen e.V.".
- Am 30.04.1990 findet in Schierke seit dem "Mauerbau" 1961 die erste öffentliche Walpurgisfeier statt. Unsere IG organisiert den ersten Walpurgiszug nach 50 Jahren - ab 1940 fuhren zunächst wegen des Krieges und dann wegen der deutschen Teilung keine Walpurgiszüge mehr.
- Vertreter der Deutschen Reichsbahn und Bürgermeister der an der Brockenbahn gelegenen Gemein-den sprechen sich am 18.05.1990 für die Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der Brockenbahn aus. Durch die IG "Harzer Schmalspur- und Brockenbahn e.V." werden 24.000 Unterschriften zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs zum Brocken gesammelt. Eine Benefiz-Sonderfahrt zur Unterstützung dieser Forderung und zur Sanierung der Brockenstrecke erbrachte 10.000 DM.
- Am 09.06.1990 erfolgt eine erste Inspektionsfahrt auf der Brockenstrecke mit einem Schienenklein-wagen in Vorbereitung von notwendigen Reparaturmaßnahmen. Bald steht fest - die totale Sanierung der Brockenstrecke ist unumgänglich. Der Regierungsbevollmächtigte des damaligen Bezirkes Magdeburg sowie die Kreisverwaltung Wernigerode sprechen sich für die Wiederaufnahme des Brockenverkehrs unter Beachtung des Umweltschutzes aus.
- Erstmals seit 1961 erscheint ab September 1990 die Strecke Schierke - Brocken im Kursbuch der DR unter der Nr. 676. Die Züge verkehren zunächst jedoch nur bis zum Bahnhof Schierke.
2000
- Der "Dampfladen Nr. 6" der HSB wird in der Westernstraße in Wernigerode eröffnet.
- Ab April 2000 erfolgt die Fahrzeugdisposition der HSB rechnergestützt. Das elektronische Fahrzeugtagebuch "TaBu" nimmt sowohl die Planung als auch die Dokumentation der Fahrzeugeinsätze vor. Mit Informatikern der Hochschule Harz in Wernigerode und dem "Ingenieurbüro für Bahnbetriebsysteme" (IBS) in Hannover wurde das System entwickelt und bei der HSB als Pilotobjekt erstmals angewendet. Ab Herbst 2001 werden neben den Lokomotiven und Triebwagen auch die Einsätze der Wagen mit "TaBu" geplant und dokumentiert.
- Im Mai 2000 wirbt die HSB in der Hauptstadt Berlin gemeinsam mit Vertretern der Landkreise Nord-hausen, Quedlinburg und Wernigerode sowie dem Harzer Verkehrsverband für den Harz und die Harzer Schmalspurbahnen.
- Anfang Juni 2000 wird "100 Jahre Straßenbahn" in Nordhausen gefeiert. Die HSB beteiligt sich an den Feierlichkeiten mit einer Fahrzeugausstellung.
- Mit dem KB4ip 900-485 wird am 24.06.2000 durch das VHS-Bildungswerk ein weitgehend in den Original-Zustand zurück versetzter Personenwagen an unsere IG übergeben.
- Am 05.07.2000 wird der 300. Ehrenlokführer bei der HSB begrüßt - inzwischen sind es weit über 800.
- Die Hochschule Harz und die HSB unterzeichnen am 08.08.2000 einen Kooperationsvertrag, der die Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiet intensivieren soll.
- Ab September 2000 wird der erste Streckenabschnitt der HSB, Wernigerode - Wernigerode Westerntor, durch ein elektronisches Stellwerk überwacht. In den Folgejahren wird der "Signalisierte Zugleitbetrieb" (SZB) immer weiter ausgebaut.
- Ab Oktober 2000 erstrahlt das Bahnhofsgebäude Elend nach einer umfangreichen Sanierung im neuen bzw. alten Glanz.
- Der Haltepunkt "Wernigerode Kirchstraße" wird ab 14.11.2000 in "Wernigerode Hochschule Harz" umbenannt.
- In Erfurt wird am 06.12.2000 ein Vertrag zur Erbringung eines leistungsfähigen, attraktiven und bedarfsgerechten Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) auf dem Streckenabschnitt Nordhausen Nord - Ilfeld durch den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur des Freistaates Thüringen, Franz Schuster und die HSB unterzeichnet.
2010 - siehe Ausgaben der "Harzbahnpost" aus dem Jahr 2010!
