Die Reststrecke Alexisbad - Straßberg



gz.    Der größte Teil der ehemaligen GHE (Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn) wurde im ersten Halbjahr 1946 als Reparationsleitung durch die russische Besatzungsmacht abgebaut, das Material wurde in die damalige Sowjetunion gebracht. Bereits im Oktober 1946 begannen jedoch die Vorar-beiten zum Wiederaufbau der nun "Selketalbahn" genannten Strecke Die Strecke endete ab 1949 jedoch zunächst in Straßberg, der "Lückenschluß" Straßberg - Stiege wurde erst 1984 vollzogen!
Von der einst 25,7 km langen Strecke Alexisbad - Hasselfelde waren auch nach dem ersten Wiederaufbau der Selketalbahn bis Lindenberg (seit 1952 Straßberg) ganze 7,3 km übriggeblieben. Das Anschlußgleis zum Flußspatschacht bei Straßberg war übrigens von der Demontage verschont geblieben. Der Weitertransport des geförderten Flußspates erfolgte vor dem Wiederaufbau bis Straßberg ab dem Bahnhof Straßberg mit LKW, eine direkte LKW-Abfuhr scheiterte an den fehlenden bzw. schlechten Straßen.

Allgemein steht die Selketalbahn immer etwas im Schatten der Harzquer- und Brockenbahn, obwohl sie gerade im oberen Selketal ihre spezifische Schönheit und Stimmung bewahrt hat. Bei der Fahrt durch Wälder, Wiesen und Weiden fühlt man sich oft in die Zeit der alten GHE zurück versetzt.
Durch die Modernisierung im Zuge des "Lückenschlusses" Anfang der 80er Jahre und nicht zuletzt durch den Wegfall des Güterverkehrs Ende der 80er Jahre verlor die Selketalbahn einen Teil ihres ursprünglichen Charakters.
In den 70er Jahren konnte man davon noch viel erleben. So zog üblicherweise eine Malletlok der ehemaligen NWE (Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn) den GmP durch die Harzlandschaft. Nach Einführung der Neubau-Lokomotiven (BR 99.72) auf der Harzquer- und Brockenbahn (vorher NWE) wurden sechs Malletlokomotiven (99 5901 - 5905, ex NWE 11 - 15, und 99 5906, ex NWE 41) und die Lok 99 6001 (ex NWE 21) zur Selketalbahn umgesetzt.
Der Anschluß zum Herzogschacht, in welchem das Flußspat (Ca F2) abgebaut wurde, lag aus Richtung Alexisbad hinter dem Bahnhof Straßberg im km 23. Der von Alexisbad in Straßberg angekommene GmP ließ die meist zwei Personenwagen und einen Gepäckwagen im Bahnhof stehen und fuhr mit einem oder auch zwei leeren OO- oder O-Wagen bis zum km 23 kurz hinter der Selketalbrücke. Ab hier begann mit einer Spitzkehre das Anschlußgleis zum Schacht.
Nun schob die Lokomotive die leeren Wagen zur Beladung das Anschlußgleis hinauf in die Verladeeinrichtung des Schachtes. Von dort nahm dann die Lok die beladenen Wagen über die Spitzkehre zurück nach Straßberg. Die Wagen stammten zum größten Teil von der Harzquer- und Brockenbahn (dort hatte man Anfang der 60er Jahre den Rollwagenverkehr eingeführt), teilweise aber auch von der ehemaligen Südharz-Eisenbahn (einige Wagen waren durch die Kriegsereignisse in der sowjetischen Besatzungszone verblieben). Die Selketalbahn war übrigens die einzige DR-Schmalspurstrecke in den 70er und 80er Jahren, auf der alle Güter in Schmalspurwagen transportiert wurden, es also keinen parallelen Roll-bock- oder Rollwagenverkehr gab. Ende der 60er Jahre konnte man eventuell sogar noch alte Wagen der GHE, wie z.B. die sogenannten Bettgestellwagen beobachten. Das Empfangsgebäude von Straßberg hatte noch das Flair der alten GHE. Ein Windfang schützt die Eingangstür zum Schalter- und Warteraum. Dort sah man einen Tisch mit Stühlen, auf dem Tisch lag sogar eine Decke und stand bisweilen eine Vase mit einem Feldblumenstrauß - eine heute kaum vorstellbare Dekoration! Ein Güterschuppen mit Verladerampe und eine Ladestraße gehörten ebenfalls zum Bahnhof.
Einstmals befand sich auch eine Bahnhofsgaststätte an der rechten Seite des Empfangsgebäudes. Ansonsten gleicht das Gebäude dem von Güntersberge.
Wenn der GmP wieder zusammengestellt war, begann die Fahrt durch die Ortslage Straßberg bzw. Lindenberg in Richtung Silberhütte.
Es gab aber auch zeitweilig einen Zug, der abends gegen 22.00 Uhr in Straßberg eintraf, die Nacht über dort verblieb und morgens gegen 04.00 Uhr wieder abfuhr.
Noch vor Erreichen des Bahnhofes Silberhütte nahm der GmP vom Anschlußgleis Rinkemühle einen G- oder O-Wagen mit dort hergestellten Heringsfässern auf, eine typische Ladung auf der Selketalbahn zu jener Zeit. Nach kurzer Rangierarbeit ging die Fahrt weiter, bald darauf war der Bahnhof Silberhütte erreicht.
Aus den Bahnhofsanlagen heraus lag ein weiteres Anschlußgleis des Holzverarbeitungsbetriebes Rinkemühle, auf dem meistens ein SS-Wagen, mit Schnittholz beladen, bereit gestellt war.
An den Fabrikanlagen der "Pyrotechnik" entlang ging die Fahrt dann weiter nach Alexisbad, von dort aus in Richtung Gernrode oder Harzgerode.




Frachtzettel

Der Flußspat aus Straßberg war sogar ein begehrtes Exportgut, wie dieser mehrsprachige "Frachtgut-Hauptzettel Internationaler Verkehr" (Sammlung G. Zieglgänsber-ger) vom 02.04.77 beweist.



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