Zweiter Abschnitt der technischen Absicherung des Zugleitbetriebes



jb.    Nachdem die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) bereits vor fast eineinhalb Jahren das elektronische Stellwerk (ESTW) in Wernigerode Westerntor (für den Bahnhof Wernigerode Westerntor mit den Bahnhofsteilen Wernigerode und Wernigerode Westerntor) in Betrieb genommen hat, wurde am 6. September der zweite Bauabschnitt der technischen Absicherung des Zugleitbetriebes (Wernigerode - Brocken) von Wernigerode Westerntor (ausschließlich) bis Drängetal (einschließlich) in Betrieb genommen.
Damit wird der Zugleitbetrieb von Wernigerode bis einschließlich Drängetal nun nicht mehr auf der Basis von Zuglaufmeldungen zwischen Zugpersonal und Zugleiter über Funk und der Führung des Belegblattes durch den Zugleiter, sondern mittels eines elektronischen Stellwerkes (mit Achszähl-kreisen und Signalen) geregelt. Dazu wurden an der Strecke (bzw. in den Bahnhöfen) insgesamt 14 Haupt- und drei Vorsignale (als Ks-Signale) neu aufgestellt. Kombinationssignale (Ks-Signale) sind Lichtsignale, die die Fahraufträge mit einem Signallicht anzeigen. Die Signale können die Funktion eines Hauptsignals, eines Vorsignals oder eines Haupt- und Vorsignals haben. Außerdem wurden die einzelnen Streckenabschnitte bzw. Bahnhofsgleise mit Achszählern ausgerüstet, so daß signal-technisch sicher das Freisein der Gleise vor dem Zulassen von Zugfahrten geprüft werden kann.
Der bisherige Haltepunkt (und Zuglaufstelle) Wernigerode Hochschule Harz wurde in eine Block-stelle mit Haltepunkt umgewandelt und erhielt dafür zwei Hauptsignale. Die Ankündigung der Hauptsignale erfolgt durch die Vorsignaltafel (Ne 2).
Der Bahnhof Wernigerode-Hasserode erhielt zwei Ein- und zwei Gruppenausfahrsignale. Das Ein-fahrsignal aus Richtung Steinerne Renne hat zusätzlich ein Vorsignal. Das Signal der Gegen-richtung wird durch eine Vorsignaltafel angekündigt. Die Einfahrsignale haben zusätzlich die Vorsignalfunktion für die Ausfahrsignale (erkennbar am mit der Spitze nach unten weisenden gelben Dreieck als Mastschild).
Stehen mehrere Züge der gleichen Fahrtrichtung) im Bahnhof (vor einem Gruppenausfahrsignal), verständigt der Zugleiter, bevor er dieses Signal auf Fahrt stellt, den Zugführer des Zuges, für den das Signal nicht gilt, über Funk. Der Zugführer des Zuges, der nicht das Gleis der gewöhnlichen Fahrtrichtung benutzt, hat vor Erteilen des Abfahrsignals über Funk die Bestätigung des Zugleiters einzuholen, daß der Fahrtbegriff des Ausfahrsignals für seinen Zug gilt. Die Rückfallweichen im Bahnhof wurden beibehalten, allerdings wurde die Überwachungsfunktion in das ESTW integriert, so daß bei Einfahrt auf Signal Ks 1 (grünes Licht - Fahrt) oder Ks 2 (gelbes Licht - Halt erwarten) die Rückfallweiche sich in Grundstellung befindet. Der Triebfahrzeugführer braucht jetzt das Überwachungssignal der Rückfallweiche (So 18) nicht zu beachten, insoweit ist für diese Überwachungssignale auch keine Ankündigungsbake (So 17) mehr aufgestellt. Dagegen ist bei Einfahrt auf Ersatzsignal (Zs 1) oder auf Befehl sowie für Rangierfahrten das Überwachungs-signal weiterhin zu beachten. Für den Bahnhof Wernigerode-Hasserode gibt es zusätzlich eine spezielle Rangierfreigabe durch den Zugleiter. An den Hauptsignalen (Gruppenausfahrsignale) erscheint als Zustimmung des Zugleiters Kennlicht. Damit darf innerhalb des Bahnhofs (bis zu den Rangierhalttafeln - Ra 10) rangiert werden.
Die Bahnhöfe Steinerne Renne und Drängetal sind wie der Bahnhof Wernigerode-Hasserode ausgestattet. Allerdings gibt es auf beiden Bahnhöfen keine spezielle Rangierfreigabe, so daß wie bisher beim Rangieren über Einfahrweiche ein Befehl erforderlich wird. Die Einfahrsignale aus Richtung Drei Annen Hohne verfügen auch bei diesen Bahnhöfen über Vorsignale. Der Bahnhof Drängetal wird im Winterbetrieb (keine Kreuzungsmöglichkeit) wie zwei Blockstellen behandelt.
Insgesamt bleibt festzustellen, daß auch die Inbetriebnahme des zweiten Abschnittes des ESTW ohne nennenswerte Probleme verlief, was nicht für jedes ESTW in Deutschland selbstverständlich ist. Auch die beteiligten Eisenbahner (Zugleiter und Zugpersonal) haben sich schnell an die neue Technik gewöhnt. Mit der Erweiterung des ESTW ist die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb der HSB erneut deutlich verbessert worden.
Der Irrtum des Zugleiters ist im Regelbetrieb durch die Technik faktisch ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Triebfahrzeugführer an einem rot zeigenden Signal vorbeifährt, dürfte deutlich geringer sein, als die für die unzulässige Vorbeifahrt an einer Trapez- oder H-Tafel (Signal Ne 1 oder Ne 5). Dennoch, darauf muß hingewiesen werden, wird es eine hundertprozentige Sicherheit auch in Zukunft nicht geben. Die HSB setzt derzeit den Ausbau der technischen Absicherung des Zugleitbetriebes konsequent fort. Die Inbetriebnahme des dritten Abschnittes von Drängetal (ausschließlich) bis Brocken (einschließlich) ist für April 2002 vorgesehen. Für den Abschnitt Nordhausen Nord - Ilfeld laufen die Planungen.

Screenshot

"Screenshot" (zu deutsch: Bildschirm-Ausdruck) eines Bildes, wie es nun schon seit Ostern 2000 zum täglichen Bild in der Zugleitstelle Wernigerode gehört. Der erste Bauabschnitt umfaßte die Bahnhofsteile Wernigerode und Wernigerode Westerntor, nunmehr folgte der zweite Bauabschnitt bis Drängetal.

In der Praxis führt die farbige Darstellung auf schwarzem Hintergrund zu einem guten Kontrast und guter Erkennbarkeit, in diesem Bild geht leider viel vom Inhalt verloren ...
Dargestellt ist der Gleisplan des Bahnhofs Wernigerode. Durch farbliche Markierung der "Gleise" erkennt man sofort, welcher Abschnitt frei ist (gelb), ob eine Zugfahrstraße (grün) oder eine Rangierfahrstraße (blau) hergestellt wird und ob Abschnitte belegt sind (rot). Selbstverständlich können auch mehrere Bahnhöfe und die dazwischenliegenden Strecken (dann in verkleinerter Darstellung) "auf den Schirm" geholt werden.



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