Zehn Jahre Zugverkehr Schierke - Brocken



vb.    Am 15. September dieses Jahres jährte sich der Tag der Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf dem Streckenabschnitt Schierke - Brocken zum zehnten Mal. Dieses Jubiläum war für die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) insoweit besonders wichtig, als daß die Brockenstrecke die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb des gesamten Streckennetzes der HSB überhaupt ist. Als damals vor zehn Jahren der Betrieb zum Brocken wieder aufgenommen wurde, ahnten wir - ich war, weil Dirk-Uwe Günther sich die Hand gebrochen hatte, auf 99 5903 dabei - von dieser Bedeutung der Brockenbahn. Doch daß es gelingen würde, das gesamte Netz auch am Anfang des 21. Jahrhunderts noch zu betreiben, war damals keineswegs sicher.

Dampflok

Foto (HSB/H. Baumgärtner): Für die HSB kann die Bedeutung der Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Schierke und dem Brocken nicht hoch genug bewertet werden, die äußeren Umstände waren dem Jubiläum am 15.09.2001 jedoch nicht gewogen.
Die schrecklichen Terroranschläge in den USA am 11.09.2001 und das Wetter ließen keine rechte Festtagsstimmung aufkommen.


Zehn Jahre später wurden nun durch die HSB aus Anlaß des Jubiläums nochmals zwei Sonderzüge, wie auch am 15. September 1991, eingesetzt. Der im Vergleich zu 1991 um nun drei Wagen längere Oldtimerzug - für die geladenen Gäste - wurde gezogen von 99 5901 und 99 6001. Dabei "ersetzte" die 99 5901, wie fast immer mit Detlef Jänisch und Roger Zilling, die 99 5903, die 1991 mit dabei war. 99 6001 war nach Einsatz im Selketal und Werkstattaufenthalt vom eingesetzten Personal (Siegfried Rudat und Jens Grimmecke) noch mit etwas größerem als gewöhnlichen Aufwand in einen für die Fahrt würdigen Zustand versetzt worden. Leider versagte bei dieser Lok vor Drei Annen Hohne der Überhitzer seinen Dienst, so daß sie gegen 99 7239 ausgetauscht werden mußte. Der zweite Sonderzug - für zahlende Gäste - bestand aus "normalen" rot-gelben KBi-Wagen und war mit 99 5902 und 99 7222 bespannt. 99 7222 war vor zehn Jahren nicht dabei, obwohl die Lok eigentlich für den Sonderzug vorgesehen war - als Einheitslok zum "Berg der deutschen Einheit"- hielten es die damals im Bahnbetriebswerk Wernigerode Westerntor Verantwortlichen der Deutschen Reichsbahn nicht für notwendig, diesen "Wunsch" der Reichsbahndirektion umzusetzen. 99 7222 wurde vom Stammlokführer Uwe Endrijat mit Jürgen Klapproth gefahren, auf 99 5902 fuhren Hartmut Wegener - Dirk-Uwe Günther hatte sich diesmal keine Hand gebrochen, sondern war im Urlaub - und ich.
Beide Sonderzüge waren letztendlich ab Drei Annen Hohne, trotz der politischen Ereignisse in Amerika, die eigentlich wenig Anlaß zu einer Feier boten, recht gut besetzt. In Schierke wurden beide Sonderzüge von einem Planzug überholt und gleichzeitig einem weiteren gekreuzt, so daß umfangreiche Rangierarbeiten bis auf die freie Strecke hinaus notwendig waren.

2 Loks

Foto (HSB/H. Baumgärtner): Auch 1991 fuhren zwei Sonderzüge mit zwei Malletlokomotiven an der Spitze zum Brocken, im Gegensatz zu 2001 herrschte 1991 allerdings "Kaiserwetter".


Während des Aufenthaltes in Schierke wurden die Teilnehmer durch den Bürgermeister der Ge-meinde Schierke und den Geschäftsführer der HSB begrüßt. Vor und nach den Ansprachen gab es eine musikalische Begleitung. Auch wegen der vielen Fahrgäste und der lauten Musik, was die Verständigung über Funk stark erschwerte, hatten der Örtliche Betriebsbedienstete und der Zugleiter in Schierke an diesem Tag sicher keine leichte Aufgabe.
Auf dem Brocken herrschte leider dicker Nebel - Sicht noch nicht einmal bis zur Zugspitze (Spitze des Zuges). Nachdem der erste Sonderzug in Gleis 2 eingefahren war, hatten wir mit unserem zweiten Sonderzug noch die Aufgabe, in Gleis 1 ein symbolisches Papierband mit der Aufschrift "10 Jahre Zugverkehr Schierke - Brocken" zu durchfahren. Für die geladenen Gäste gab es dann eine Festveranstaltung im Goethesaal. In einer stark emotionalen Rede erinnerte der Wernigeröder Landrat Dr. Michael Ermrich an den 15. September 1991. Er sprach von der Wiederaufnahme des Zugverkehrs zum Brocken als "einer Sternstunde der Kommunalpolitik". Er würdigte aber auch das Engagement von Politikern und Eisenbahnern der ersten Stunde, stellvertretend sei der damalige Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Horst Rehberger, genannt, und die Bedeutung der Brockenbahn für die HSB, den Tourismus im Harz und das Land Sachsen-Anhalt. Dr. Michael Ermrich verwies nochmals auf die seines Erachtens - und diese Auffassung teilt auch der Vorstand unseres Vereins - tourismusfeindlichen Regelungen im neuen Nationalparkgesetz und der zugehörigen Verordnung. Beschränkungen im Verkehr der Brockenbahn und in den Öffnungszeiten der Brockengastronomie würden ein negatives Bild vom Harz in der Öffentlichkeit zeichnen. Dennoch wünschte der Landrat der Brockenbahn auch für die Zukunft stets eine gute Fahrt und dankte für die, vor allem finanzielle Unterstützung der vergangenen Jahre - den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie den Landkreisen und Kommunen der Region als Gesellschafter der HSB.
Am frühen Abend fuhren beide Sonderzüge nach Wernigerode zurück. Es bleibt festzuhalten, daß solche Veranstaltungen wie diese für die HSB nicht in erster Linie Anlaß zum Feiern sind, sondern als Werbe- und Marketingaktion wichtig sind, um stets auf die HSB hinzuweisen und neue Kunden zu gewinnen. Wünschen wir zum Abschluß der Brockenbahn stets volle Züge und eine gute Fahrt.

Rede

Foto (HSB/H. Baumgärtner): Der Jahrestag "10 Jahre Wiederaufnahme des Zugverkehrs Schierke - Brocken" war selbstverständlich auch Anlaß zum Rückblick, vor allem, da die erfolgreiche Entwicklung der heutigen HSB 1991 durchaus noch nicht abzusehen war. Diesen Rückblick verband der Landrat des Kreises Wernigerode, Dr. Michael Ermrich, aber auch mit einem Blick in die Zukunft.



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