Neubau der Strecke Gernrode - Quedlinburg


Am Samstag den 4. März 2006 wurde mit zwei großen Festen In Gernrode und Quedlinburg die Strecke in Betrieb genommen. Um 17:00 fuhr der erste Zug mit geladenen Gästen in Gernrode ab und erreichte gegen 18:00 Uhr Quedlinburg. Für die ersten Fahrgäste war allerdings vor dem letzten Bahnübergang die Fahrt zu ende. Auch die Fahrgäste des zweiten Zuges der dem ersten bald folgte, durften nur bis zum letzten Bahnübergang fahren.
Für die Eisenbahnfans war es nun eine schwere Entscheidung: Entweder die Show auf dem Bahnhofsvorplatz verfolgen oder sich schon weil einen Platz sichern um die Einfahrt des ersten Zuges direkt mitzuerleben. Wer sich für letzteres entschieden hat, durfte lange in der Kälte bei Temperaturen knapp unter Null ausharren um dann den ersten leeren Zuges bei der Einfahrt in den Bahnhof Quedlinburg mit kleinem Feuerwerk zu erleben.
Siehe auch Streckenpremiere der HSB GmBH.
Für alle gut sichtbar gab es anschließend ein großes Höhenfeuerwerk.

Zu den Bildern der Eröffnungsfeier.



Auf der Homepage der Harzer Schmalspurbahnen gibt es eine Seite die den Bau der neuen Schmalspurstrecke mittels einer WebCam dokumentieren wird. Die Seite ist über den linken zweiten Button von oben aufrufbar. Ausserdem ist auf der HSB Seite ein Überblick über die Bauabschnitte zu finden.
Über den Butten Streckenverlängerung hier rechts im Auswahlmenü, gelangen sie direkt zur entsprechenden Seite im HSB GmbH Angebot.


Zu den Bildern der Bauarbeiten ab dem 18.04.2005.
neue Fotos hinzugefügt am 28.10.2005
    
Chronik der Streckenverlängerung der Selketalbahn
Herausgegeben von der Harzer Schmalspurbahnen und dem Ministerium für Bau und Verkehr am 21.12.2005



Im "Dampfladen Nr. 7" lag in den letzten Tagen der Sommerfahrplan für das Selketal aus. Sie können den Fahrplan als pdf Datei auf Ihren Rechner laden und ausdrucken.

Wie aus gut unterrichteten Kreise zu erfahren war, wurde am 17.02.2006 08:00 Uhr über Funk die "Offizielle Inbetriebnahme der Eisenbahninfrastruktur" auf der Strecke Quedlinburg – Gernrode hergestellt. Ab diesem Zeitpunkt werden alle Fahrten auf dem Streckenabschnitt Quedlinburg – Gernrode als Zugfahrten behandelt. Am 22.02.2006 erreicht der Vt 187 012-0 mit beschäftigten der HSB von Gernrode kommend den Bahnhof Quedlinburg.


PRESSESPIEGEL



09.03.06

Ein Hauch von Dampf-Nostalgie

Einmal Quedlinburg-Gernrode und zurück

Von Erich Preuß

Tausende Neugierige kamen dieser Tage zur Einweihung einer neuen Schmalspurstrecke im Harz.

Es ist eine Seltenheit geworden, dass in der Bundesrepublik eine neue Eisenbahnstrecke errichtet wird. Besonders ungewöhnlich wird es, wenn es sich dabei um Schmalspurgleise handelt. 8,5 Kilometer lang ist die Strecke Quedlinburg-Gernrode, die Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) dieser Tage persönlich einweihte. Die Strecke verbindet die Stadt des Weltkulturerbes, Quedlinburg, mit der meterspurigen Selketalbahn, die bisher in Gernrode begann. 6,5 Millionen Euro wurden ausgegeben.

Künftig müssen Reisende nicht mehr vom Zug auf den Bus und wieder auf den Zug umsteigen, um mit den Harzer Schmalspurbahnen nach Alexisbad oder Harzgerode zu fahren. Das war vielen zu umständlich; die Bahn blieb unrentabel. Auch die Ausflugsorte warteten trotz beachtlicher touristischer Infrastruktur vergebens auf mehr Gäste. Die Region lag im Schatten des Hochharzes, in den man mit der Brockenbahn bequemer reist.

Deshalb ist Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) vom Sinn der Investition überzeugt: »Mit einem Hauch Dampf-Nostalgie um die Nase sollen die vielfältigen touristischen Angebote besser miteinander vernetzt werden.« Das sieht Ulrich Kasten, der verkehrspolitische Sprecher der PDS-Fraktion im Magdeburger Landtag, ähnlich: »Die Deutsche Bahn hat keinen Euro in die Verbesserung der Strecke Quedlinburg-Ballenstedt gesteckt. Diese wurde auf kaltem Weg am 1. Januar 2005 stillgelegt.« Das sei die Gelegenheit gewesen, einen Plan von 1990 in die Tat umzusetzen – eine dritte Schiene für die Schmalspurzüge in das vorhandene Gleis zu legen. Jetzt wurde die Strecke in Rekordzeit von einem Jahr gleich neu und in Meterspur gebaut. Wer mit dem Dampfzug in den Harz rollen will, muss sich aber noch bis zum 26. Juni gedulden. Die Sicherungsanlagen seien noch nicht perfekt, und der Termin für die Einweihung wäre konkurrenzlos gewesen, hieß es auf die Frage hin, warum ein halbes Jahr vorher im kalten Winter gefeiert werde. Offenbar wollten sich die Landespolitiker Böhmer und Daehre für ihren Einsatz feiern lassen. Schließlich stehen Landtagswahlen vor der Tür. Wer weiß, wer sonst im Juni das weiße Band durchschnitten hätte?!

Ein Ruhmesblatt ist die Bahnpolitik in Sachsen-Anhalt übrigens nicht. Die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft NASA mutet in Quedlinburg den Bahnreisenden nach Thale ab Sommer 2006 ein zusätzliches Umsteigen zu. Sie hat den Zugverkehr dorthin abbestellt.




Premiere mit Volldampf

Harzer Schmalspurbahn fährt jetzt bis nach Quedlinburg

8,5 Kilometer lange Neubaustrecke wird in Betrieb genommen - Prominente Gäste

von Dieter H. Michel, 05.03.06, 15:14h

Quedlinburg/dpa. Jungfernfahrt der Harzer Schmalspurbahnen: Zischend und prustend zuckelten am Samstag die festlich geschmückten Mallet-Loks 99 5901 und 99 5902 aus dem Jahre 1897 mit acht ebenso alten Wagen eines Oldtimer-Zuges erstmals über neue Gleise im Ostharz. Unter Volldampf wurde die 8,5 Kilometer lange Neubaustrecke der Selketalbahn zwischen Gernrode und der UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg in Betrieb genommen. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (beide CDU) gehörten zu den prominenten Gästen.

Der Verkehrsminister Sachsen-Anhalts Karl-Heinz Daehre (CDU, r.) und der Geschäftsführer der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), Matthias Wagener, geben am Samstag (04.03.2006) in Gernrode das Signal zur Abfahrt des ersten Sonderzuges von Gernrode nach Quedlinburg. (Foto: dpa)

Mit der Verlängerung der nun 60 Kilometer langen Selketalbahn, die 1887 als «Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn» ihren Betrieb aufnahm, erweitert sich das einen Meter breite Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) auf insgesamt 140 Kilometer. Es gilt als das längste dampfbetriebene Streckennetz Europas. «Die Verlängerung der Selketalbahn ist eine wichtige Investition in den bedeutenden Wirtschaftsfaktor Tourismus der Harz- und Vorharzregion», betonte der Regierungschef. Mit 6,5 Millionen Euro hat Sachsen-Anhalt den Bau der neuen Strecke gefördert.

«Eigentlich ist es heute ein ganz normaler Dienst», sagte augenzwinkernd und lachend der Lokführer Roger Zilling, der schon 26 Jahre bei der kleinen Harzbahn arbeitet und schrill pfeifend das Signal zur Abfahrt gab. Tausende begeisterte Menschen aus nah und fern drängten sich auf Bahnsteigen und klatschten Beifall. Überall an der Strecke zückten Profi- und Hobbyfotografen ihre Kameras. «Für uns ist es ein historisches Ereignis, wieder am Gleisnetz angeschlossen zu sein», sagte auch der Bürgermeister von Bad Suderode, Gert Sauer.

Zur Feier des Tages hatten in der Harzregion viele Besucher Trachten angezogen, ein Jugend-Spielmannszug sorgte für Stimmung und Tatjana Hüfner musste den Gästen immer wieder ihre bei den Olympischen Winterspielen in Turin im Rennrodeln errungene Bronzemedaille zeigen. «Wir rechnen, dass jährlich bis zu 30 000 Touristen die neue Strecke nutzen, die entweder in die Fachwerkstadt Quedlinburg reisen oder von dort ins romantische Selketal fahren», sagte der Geschäftsführer der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), Matthias Wagener.

Die größte europäische Schmalspurbahn mit täglichem Dampfbetrieb habe nun sogar von Quedlinburg aus eine direkte Bahnverbindung bis auf den Brocken. Der reguläre Zugbetrieb auf dem neuen Streckenabschnitt werde allerdings erst mit dem Sommerfahrplan eröffnet. «Es sind noch Arbeiten an Sicherungstechnik, Signalanlagen und Bahnübergängen nötig, die wir bis dahin ausführen werden», sagte der HSB-Chef. Die Bahn zählte im vorigen Jahr auf ihren drei Strecken Harzquer-, Selketal- und Brockenbahn rund 1,1 Millionen Fahrgäste.


Mitteldeutsche Zeitung am 04.03.2006
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Volkstimme 4. März 2006

Matthias Wagener, Chef der Harzer Schmalspurbahnen, vor heutiger Premierenfahrt bis Quedlinburg

"Das wird eine Erfolgsgeschichte"

Die Harzer Schmalspurbahnen ( HSB ) nehmen heute symbolisch ihre Streckenverlängerung in Betrieb. Die Selketalbahn kann bis Quedlinburg fahren, ab Sommer dampfen die Züge fahrplanmäßig. Im Gespräch mit Tom Koch knüpft HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener daran große Hoffnungen für seine Bahn und den Harz.

Volksstimme : Sie sagen, bundesweit einmalig wurde eine neue Schmalspurbahnstrecke erbaut, die die Selketalbahn um neun Kilometer von Gernrode bis Quedlinburg verlängert. Reichten Ihnen die 132 Kilometer HSB-Gleisnetz nicht mehr ?

Wagener : Eigentlich schon, was aber bedeutet, dass wir uns über diese große Chance für die Tourismusentwicklung im Harz sehr freuen. Alle erwarten mit dem Anschluss Quedlinburgs an unser Netz einen richtigen Anschub : Die Verbindung einer Weltkulturerbestadt mit unserer HSB als Technischem Denkmal und dazu die reizvolle Natur im Harz – das kann nur eine Erfolgsgeschichte werden.

HSB-Chef Matthias Wagener am 18. April 2005 beim offi ziellen Baustart für die Streckenverlängerung nach Quedlinburg, mit den Bürgermeistern Werner Grundmann (Gernrode/links) und Eberhardt Brecht (Quedlinburg) sowie Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (von rechts) .

Volksstimme : Das Land lässt sich diese Aussichten mit 6, 5 Millionen Euro einiges kosten. Gut angelegtes Geld ?

Wagener : Ganz gewiss, wir als kommunales Bahnunternehmen sind ein exzellenter Botschafter für Sachsen-Anhalt. Beispielsweise bei unseren Messeauftritten wie zuletzt auf der Grünen Woche in Berlin. Hinzu kommt, wir befördern pro Jahr etwa 1, 1 Millionen Fahrgäste. Diese Urlauber fahren bestimmt nicht nur mit der HSB, sie übernachten auch im Harz, sie kaufen hier ein und wenn sie nur am Stieger Bahnhof ein Eis schlecken.

Volksstimme : Weckt die Selkebahnverlängerung nicht auch anderswo an Ihrem Netz Begehrlichkeiten und Wünsche ?

Wagener : Natürlich wissen wir um Wünsche, etwa die Hasselfelder Westernstadt mit der HSB erreichen zu können, sogar im niedersächsischen Braunlage gibt es die Vision des Lückenschlusses vom West- in den Ostharz. Ich kann nur deutlich erklären : Wir als HSB können – wie andere Bahnunternehmen auch – allein keinen Streckenausbau finanzieren.

Volksstimme : Ist Ihr Engagement auf der seit Monaten in den Negativschlagzeilen stehenden Rübelandbahn vorstellbar ?

Wagener : Im Prinzip ja. Es ist unser Bestreben, dass im Harz die HSB für den Dampflokbetrieb steht. Für die Rübelandbahn gilt, dort müssen z. B. Kohleplätze angelegt und Wasserkräne installiert werden, das kostet richtig Geld. Wir können das allein nicht leisten. Ich verweise nur auf die Selketalbahn : Ohne öffentliche Unterstützung ist auch diese Strecke trotz der reizvollen Landschaft nicht wirtschaftlich zu befahren.

Volksstimme : Dann wäre es nur konsequent, die HSB legt ihre Strecken nach Nordhausen und auch nach Quedlinburg still, fährt einzig von Wernigerode hinauf zum Brocken.

Wagener : Zum Glück ist dem nicht so. Wir als Harzer Schmalspurbahnen leben von unserer Einmaligkeit in Europa. Jetzt mit 140 Kilometer Streckennetz, mit Dampfzugbetrieb und mit ganzjährigem Fahrplan, das gibt’s sonst nirgendwo. Hinzu kommt, wir als HSB bilden eine Klammer für den Harz zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wir verbinden Orte wie Quedlinburg, Nordhausen und Wernigerode miteinander, ansonsten scheint die Achse vom Südharz gen Norden ja ziemlich unüberwindbar.

Volksstimme : Die " große " Bahn beginnt in Halberstadt, ihre Schienenmusterstrecke für Sachsen-Anhalt zu vollenden, mit Connex gibt es seit Dezember im Land einen Bahnkonkurrenten. An Sie als Verwaltungsratsmitglied des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen die Frage : Wie ist es um die Eisenbahnen bestellt ?

Wagener : Es gab vor der Bahnreform mit der Deutschen Bahn eine Art Behördenbahn. Durch den Wettbewerb bei der Regionalisierung ist einiges an Positivem passiert. Nicht mehr nur Streckenstilllegungen, auch dank neuer Verkehrsunternehmen gibt es zusätzliche Angebote an Bahnkunden in der Fläche. So ist zu erklären, dass es im Schienennahverkehr in den vergangenen zehn Jahren bei den Fahrgastzahlen immerhin ein beachtliches Plus von 30 Prozent gegeben hat.

Volksstimme : Vom Bund zurück nach Sachsen-Anhalt. Im Selketal fahren die Züge erst Ende Juni täglich bis nach Quedlinburg. Ist die Premierenfeier drei Wochen vor der Landtagswahl Ihr Dank ans CDUgeführte Verkehrsministerium ?

Wagener : Im Dezember haben unsere Schienen Quedlinburg erreicht, und wir haben immer erklärt, dieses einmalige Ereignis zeitnah groß feiern zu wollen. Ob 100 Jahre Harzquer- und Brockenbahn oder zehn Jahre Übernahme der Bahn von der Deutschen Reichsbahn, immer haben wir im Februar / März gefeiert, dann gibt es nämlich kaum Konkurrenz zu anderen Feiern wie den im Harz äußerst beliebten Schützenfesten.

Und nur noch ein Wort zur Landespolitik : Egal, ob der Minister von der SPD oder der CDU gestellt wurde, wir als Harzer Schmalspurbahnen konnten uns immer auf die große Unterstützung der Wirtschafts- und Verkehrsministerien in Magdeburg und Erfurt verlassen. Die Feiern heute auf den Bahnhöfen in Gernrode und vor allem in Quedlinburg sind für die HSB keine politischen Veranstaltungen.


Harzbahn nun in Quedlinburg

Am Sonnabend wird Streckenverlängerung freigegeben - MZ bringt Extrablatt heraus

erstellt 03.03.06, 19:11h, aktualisiert 03.03.06, 19:12h

Quedlinburg/MZ/dlo. Mit Bahnhofsfesten in Quedlinburg und Gernrode wird am Sonnabend die Freigabe des neuen neun Kilometer langen Abschnittes der Selketalbahn gefeiert. Wenn sich um 17 Uhr der Premierenzug in Gernrode in Bewegung setzt, wird Geschichte geschrieben. Denn der 6,5 Millionen Euro teure Neubau einer Bahntrasse mit einer Spurweite von einem Meter ist europaweit einmalig.

Das Netz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) wächst mit der Erweiterung auf 140 Kilometer und bleibt laut HSB das längste einer Schmalspurbahn mit täglichen Regelbetrieb in Europa. Zugleich wird die seit Jahren angestrebte Anbindung der Unesco-Welterbestadt Quedlinburg an das Schmalspurnetz Realität. Vor Ort erhofft man sich vor allem einen Schub für den Tourismus, denn so werden Dampffahrten direkt auf den Brocken möglich. Allerdings frühestens ab 26. Juni, denn erst dann wird nach dem Komplettieren der Sicherungstechnik der fahrplanmäßige Verkehr aufgenommen.

Die Bahnhofsfeste beginnen um 13 Uhr. Bis zur Abfahrt des Premierenzuges, dem 17.20 Uhr ein zweiter Sonderzug folgt, sind in Gernrode eine Lokausstellung und Bühnenprogramm geplant. In Quedlinburg wird die Ankunft gegen 19.40 Uhr mit einem Feuerwerk umrahmt. Die MZ hat eine Sonderausgabe vorbereitet, die auf den Bahnhöfen verkauft wird und Fakten rund um das Projekt enthält. Der Verkaufserlös wird für karitative Zwecke in Gernrode, Bad Suderode und Quedlinburg gespendet.





Volkstimme Wernigerode 23.02.2006


HSB hoffen auf 30 000 Reisende mehr

Schmalspurbahnen am 4. März erstmals bis Quedlinburg / Regulärer Zugverkehr startet Ende Juni

von Tom Koch

Magdeburg. Die Harzer Schmalspurbahnen ( HSB ) feiern am 4. März mit zwei Sonderzugfahrten die Verlängerung ihrer Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg. Die Schmalspurbahnen werden jedoch erst Ende Juni täglich bis zu neunmal auf diesem HSB-Teilstück zwischen der UNESCO-Welterbestadt und dem Bahnhof Eichsfelder Talmühle fahren. Dort können die Reisenden in die Züge nach Nordhausen und zum Brocken bzw. nach Wernigerode umsteigen.

Die HSB hatten am 18. April auf dem bisherigen Endbahnhof Gernrode den Start für den Bau der 8, 5 Kilometer langen Strecke mit einer Spurweite von einem Meter begonnen. Das kommunale Bahnunternehmen nutzt für sein Gleis die Trasse der Deutschen Bahn, die zuvor ihre Strecke still gelegt hatte. Während der Großteil der Schienen mit einer Gesamtlänge von 17 Kilometern wieder verwendet werden konnten, mussten allein etwa 13 800 Betonschwellen neu verlegt werden. Zum Projekt gehören auch Bauarbeiten an den Bahnhöfen, vier automatische Schrankenanlagen zu errichten und in Quedlinburg einen so genannten Wasserkran für Dampfloks zu installieren. Insgesamt zahlt das Land dafür 6, 5 Millionen Euro.

Wie Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre ( CDU ) gestern erklärte, sei dieses Geld gut angelegt. Er erhoffe sich " mit diesem weit und breit einmaligen Bahnstreckenneubau einen weiteren touristischen Aufschwung im Harz ". Nun liege es an den Akteuren vor Ort, kräftig für die Schmalspurbahn zu werben. HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener selbst gab sich mit Prognosen, das künftige Passagieraufkommen betreffend, eher zurückhaltend. Auf ein Plus von 20 000 bis 30 000 Fahrgäste hoffe er. Bislang werden im Selketal jährlich rund 100 000 Reisende gezählt, auf dem gesamten HSB-Netz 1, 1 Millionen. Eigens für die überregionale Werbung hat das Verkehrsministerium eine Internetpräsentation erstellen lassen. Dort gibt es ein Online-Spiel, bei dem 25 Karten für die erste HSB-Fahrt nach Quedlinburg zu gewinnen sind.





Pressemitteilungen aus dem Ministerium für Bau und Verkehr

21.12.2005

Jungfernfahrt auf der Neubaustrecke am 4. März

Premierengäste werden von Gernrode aus nach Quedlinburg dampfen

erstellt 21.12.05, 14:30h

Verkehrsminister Daehre: Bevorstehende Anbindung der Welterbestadt Quedlinburg an Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen gibt touristischer Entwicklung der Region neue Impulse

HSB-Geschäftsführer Wagener: Jungfernfahrt im Frühjahr soll auch überregional für Aufmerksamkeit sorgen

Mit dem Abschluss der wesentlichen Gleisbauarbeiten und der Montage neuer Signaleinrichtungen sind jetzt die wichtigsten technischen Voraussetzungen für den Betrieb auf dem neuen, knapp neun Kilometer langen Teilstück der Selketalbahn zwischen Gernrode und Quedlinburg geschaffen. Nach Auskunft von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre sind seit dem Start der Erweiterungsmaßnahme im Frühjahr dieses Jahres etwa 17.000 Meter Schiene mit einem Gesamtgewicht von etwa 850 Tonnen aus- und wieder eingebaut worden, 13.800 neue Betonschwellen und fast 12.000 Tonnen Schotter verbaut worden. „Es ist enorm, was hier in den zurückliegenden neun Monaten geleistet worden ist“, sagte der Minister heute vor Journalisten in Magdeburg. Daehre äußerte sich zuversichtlich, dass die vom Land Sachsen-Anhalt mit rund 6,5 Millionen Euro geförderte Anbindung der Unesco-Welterbestadt Quedlinburg an das dann 140 Kilometer umfassende Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) der gesamten Nordharzregion vor allem im Hinblick auf die touristische Entwicklung neue Impulse geben wird.

Wie HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener bei dem gemeinsamen Pressegespräch mitteilte, wird am 4. März des nächsten Jahres von Gernrode aus eine Premierenfahrt mit zwei dampflokbespannten Zügen nach Quedlinburg stattfinden. „Mit dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion wollen wir über Sachsen-Anhalt hinaus um Aufmerksamkeit für den Start des regelmäßigen Zugbetriebs im Frühsommer werben“, sagte er. Mit der Teilnahme an dem Online-Preisausschreiben „Das Gleis ist heiß“ habe jeder Interessent die Chance, neben verschiedenen Sachpreisen auch ein Ticket für die Jungfernfahrt zu gewinnen. Die Auslosung werde im Februar vorgenommen.

Rahmenprogramm zur Premierenfahrt:

Während der Premierenfahrt von Gernrode (Abfahrt: ca. 18.00 Uhr) nach Quedlinburg (Ankunft: ca. 18.30 Uhr) gibt es für die Eisenbahnfreunde so genannte Fotohalte und Scheinanfahrten. In Bad Suderode wird der erste schmalspurige Dampfzug einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Die Fahrgäste werden dort vom Bürgermeister offiziell begrüßt. In Quedlinburg erwartet die Besucher eine Licht- und Lasershow. Mit einem Feuerwerk werden die beiden Sonderzüge in der Welterbestadt begrüßt.
An den Bahnhöfen Gernrode und Quedlinburg beginnen die Bahnhofsfeste bereits am Mittag mit einem bunten Bühnenprogramm für die ganze Familie. Auf einer Videoleinwand am Empfangsgebäude des Bahnhofs Quedlinburg können die Besucher auf dem Vorplatz das Geschehen in Gernrode ebenfalls mitverfolgen. Pendelbusse sorgen bis nach dem Ende der Veranstaltungen für einen Transfer zwischen beiden Bahnhofsfesten.



Magdeburg/dpa.

Am 4. März 2006 werden die ersten beiden Harzer Schmalspurloks der Selketalbahn mit Premierengästen von Gernrode aus nach Quedlinburg dampfen. «Es wird an diesem Samstag in beiden Orten Bahnhofsfeste geben und wir erwarten zahlreiche Gäste», informierte Geschäftsführer Matthias Wagener von den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) am Mittwoch in Magdeburg. In nur wenigen Monaten war das Gleisnetz der HSB um neun Kilometer gewachsen. Das Land förderte den Bau mit 6,5 Millionen Euro.


Auf dem Bahnhof in Gernrode (Kreis Quedlinburg) wartet ein Zug der Selketalbahn auf die Ausfahrt. (MZ-Foto: Jürgen Meusel)

«Mit der Förderung zur Verlängerung der Gleistrasse möchte die Landesregierung auch ein Zeichen setzen für den Tourismus im Harz», sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Man wolle sowohl für Touristen die Welterbestadt Quedlinburg an das Netz der HSB anbinden, als auch die neue Strecke für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr nutzen. Die neue Strecke verläuft entlang eines Gleisbetts, das nicht mehr von der Deutschen Bahn genutzt wird.

Zur Verlängerung der Selketalbahn waren etwa 17 Kilometer Schienen aus- und wieder eingebaut worden. 13 800 Betonschwellen mussten neu verlegt und 12 000 Tonnen Schotter verbaut werden, damit die Fahrzeuge der HSB auf ihrem nur einen Meter breitem Gleis fahren können. «Ab dem kommenden Sommerfahrplan will die HSB zu regulären Fahrten starten», sagte Wagener. Zwischen der Premierenfahrt und dem regulären Betrieb solle es restliche Bauarbeiten aber auch weitere Sonderfahrten geben.

Wagener nannte es einmalig, dass sich das Land Sachsen-Anhalt zur Streckenerweiterung und Gleisanbindung eines Teils der HSB an die Welterbestadt Quedlinburg bekannt hat. Das werde auch in der Region sehr zustimmend aufgenommen. «Mit dem Abschluss des Projekts wird die Selketalbahn, die 1887 als "Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn" in Betrieb genommen wurde, attraktiver. Das Gesamtnetz der HSB erreicht damit eine Gesamtlänge von 140 Kilometer», sagte Wagener. Auch eine Schmalspurbahnverbindung zwischen Quedlinburg und dem Brocken werde es künftig geben.

Die HSB zählt jährlich auf ihren drei Strecken Harzquer-, Selketal- und Brockenbahn insgesamt rund 1,1 Million Fahrgäste, auf der Selketalbahn fahren gegenwärtig jährlich 100 000 Menschen.





Neubaustrecke der Harzer Selketalbahn kommt zügig voran

Ab dem kommenden Sommerfahrplan sollen reguläre Fahrten starten

28.11.05, 14:11h, aktualisiert 28.11.05, 14:11h

Magdeburg/dpa. Das Gleisnetz der Selketalbahn im Harz wächst: Die seit April laufenden Arbeiten zum Neubau der Strecke zwischen Gernrode und Quedlinburg gehen zügig voran. «Wir liegen mit den Bauarbeiten im Plan und werden ab dem kommenden Sommerfahrplan zu regulären Fahrten starten», sagte Geschäftsführer Matthias Wagener von den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das neue 8,5 Kilometer lange Metergleis kostet sechs Millionen Euro. Das Land Sachsen-Anhalt finanziert den Bau.


Mit der Dampflok durchs Selketal. (MZ-Foto: Marion Pocklitz)

«Bis Ende des Jahres werden auf dem neuen Teilstück der Selketalbahn die Schienen liegen», sagte der HSB-Chef. Die Strecke verläuft entlang eines Gleisbetts, das nicht mehr von der Deutschen Bahn genutzt wird. Davon wurden mittlerweile die alten Betonschwellen entfernt. Der Schotter wurde gereinigt, neue Schwellen für die nur einen Meter breite Bahn wurden verlegt. «Im neuen Jahr wird die Signal- und Sicherungstechnik installiert, fünf Bahnübergänge entlang der neuen Strecke erhalten Halbschrankenanlagen», sagte Wagener. Selbst ein Wasserkran für die Dampfloks muss in Quedlinburg errichtet werden.

Mit dem Abschluss des Projekts wird die Selketalbahn, die 1887 als «Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn» in Betrieb genommen wurde, um eine Touristenattraktion reicher: Von den Stationen Eisfelder Talmühle über Stiege, Straßburg und Gernrode wird sie bis in die Fachwerkstadt Quedlinburg rollen. «Es ist eine wichtige Investition in die Zukunft des Tourismus der Harz- und Vorharzregion», sagte Wagener.

Mit der Verlängerung der Selketalbahn erweitert sich das Streckennetz der HSB auf eine Gesamtlänge von 140 Kilometer. Bei der «Größten unter den Kleinen», wie sich die HSB selbst beschreibt, wird es künftig auch von Quedlinburg aus eine Verbindung geben, um mit von Dampfloks bespannten Zügen auf den sagenumwobenen Brocken hinauf zu fahren. In rund fünf Stunden wird man die Strecke zurücklegen können.

Die HSB zählte im vorigen Jahr auf ihren drei Strecken Harzquer-, Selketal- und Brockenbahn insgesamt rund 1,1 Million Fahrgäste.




Streckennetz der HSB wächst um 8,5 Kilometer

Wernigerode-Volkstimme 15.11.2005

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Dampfladen ist Vorbote für den Netzanschluss

„Harzer Schmalspurbahnen“ eröffnen „Dampfladen Nr. 7“ mit Familienprogramm.

    

Quedlinburg (red). Bis zum Frühjahr erhält die Stadt Quedlinburg einen direkten Anschluss an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB). Mehr als ein halbes Jahr vorher zeigt die HSB bereits Präsens: Direkt am Marktplatz Quedlinburg wurde ein neues Ladengeschäft, der „HSB-Dampfladen Nr. 7“ eingerichtet. Die Eröffnung ist am 1. Oktober. Im „Dampfladen Nr. 7“ wird in der Marktstraße 16 das umfangreiche Fahrkarten- und Souvenirsortiment der HSB angeboten und die Mitarbeiter der HSB sind Ansprechpartner vor Ort für alle Fragen rund um die Schmalspurbahnen. Die HSB präsentiert sich an diesem Tag rund um den neuen Dampfladen mit einem bunten Familienprogramm: Der originale Cafewagen der HSB steht auf dem Markt.



Selketalbahn fährt bald bis nach Quedlinburg

Minister übergab Förderscheck über drei Millionen Euro an Schmalspurbahnen

16.09.05, 16:32h, aktualisiert 16.09.05, 19:56h

Magdeburg/dpa. Die Weichen für die geplante Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg sind gestellt. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) übergab der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) am Freitag einen Förderscheck über drei Millionen Euro. Nach eingehender Planung könne nun mit den Bauarbeiten begonnen werden, sagte Daehre. Die Unesco-Welterbestadt bekommt somit bis Mitte 2006 einen direkten Anschluss an das mit historischen Dampflok betriebene Streckennetz der HSB.


Ein Dampfzug der Harzer Schmalspurbahnen verlässt den Bahnhof in Gernrode (Kreis Quedlinburg). (MZ-Foto: D. Anders)

Dazu soll die rund 8,5 Kilometer lange Bahnverbindung nach Gernrode für den Schmalspurbetrieb umgerüstet werden. Die Kosten des Projekts von knapp sechs Millionen Euro trägt das Land.


HSB dampft auf Quedlinburg zu

Dampfladen Nr. 7 öffnet am 1. Oktober am Marktplatz in Quedlinburg

von Gerd Alpermann, 19.08.05, 18:50h, aktualisiert 19.08.05, 18:52h

Quedlinburg/MZ. Die Harzer Schmalspurbahnen dampfen auf Quedlinburg zu. Die Verbindung zur Selketalbahn wird zwar erst im Frühjahr kommenden Jahres vollendet sein, doch schon in wenigen Wochen ist die HSB in der Weltkulturerbestadt präsent. Am 1. Oktober öffnet der Dampfladen Nr. 7, direkt neben dem Kunsthoken am Marktplatz in Quedlinburg. Dies ist nach Gernrode und Wernigerode der dritte Dampfladen, wo rund um die Schmalspurbahnen informiert wird und auch Fahrkarten erhältlich sind. Im Dampfladen gibt es die beliebte nostalgische Pappkarte. "Die HSB hat ein Kartenverkaufssystem entwickelt, das andere Bahngesellschaften übernommen haben", sagte dazu HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener bei einem Pressetermin. So sei das System in die Schweiz verkauft worden und auch der "Molly", die Kleinbahn an der Ostseeküste, nutze das HSB-System.

Attraktion des Dampfladens Nr. 7 ist eine 17 Quadratmeter große Modellbahnanlage, die in den zurückliegenden Monaten vom Freundeskreis Selketalbahn, Sektion Modellbahn, geschaffen wurde. "Auf der Anlage fahren zwei Züge", erklärte Vorstandsmitglied Lutz Barthel. Dargestellt werden die Bahnhöfe Mägdesprung und Albrechtshaus. Die gesamte Rückwand des Ladens nimmt dagegen eine Waggonnachbildung ein, die zwei Fenster hat. In denen findet unter anderem eine Internetpräsentation statt, die zum Beispiel auf die Fortschritte an der Neubaustrecke nach Quedlinburg hinweist.


Vom Erfolg der Streckenverlängerung überzeugt: HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener, Vorstandsmitglied Lutz Barthel vom Freundeskreis Selketalbahn und der Abteilungsleiter Verkauf und EDV der HSB, Dr. Dietrich König, (v.l.) stellten den zukünftigen Dampfladen Nr. 7 in Quedlinburg der Presse vor. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)

Nach dem Baubeginn im April dieses Jahres in Gernrode mit den ersten 500 Meter wird in wenigen Woche die Hauptstrecke von noch acht Kilometer, sowohl von Gernrode als auch von Quedlinburg aus, in Angriff genommen. Zum Fahrplanwechsel im Sommer 2006 soll dann die Strecke in Betrieb gehen. Am Bahnhof Quedlinburg wird der Bahnsteig 3 der HSB-Start- und Zielpunkt mit drei Gleisen sein, zum Ein- und Aussteigen, zum Rangieren und zum Abstellen. Der Zugang wird durch die bestehende Unterführung und von einem Parkplatz zum ehemaligen Mertik-Gelände hin möglich sein. Die Zufahrt soll sowohl von der Fracht-, als auch der Stresemannstraße erfolgen. Der Zugang von dort wird so gestaltet, dass die Bahnanlagen nicht überquert werden müssen. Erster Arbeitsschritt in Quedlinburg wird die Trennung vom Gleisnetz der Deutschen Bahn AG sein, wie Matthias Wagener erläuterte. Die Trennung habe aber keinen Symbolcharakter, sondern von der HSB werde eine enge Zusammenarbeit angestrebt. Diese sei schon aufgrund der parallelen Linienführung in Quedlinburg notwendig, wo für beide Unternehmen das Schrankensystem funktionieren müsse.

Der HSB-Geschäftsführer geht davon aus, dass es acht bis neun Fahrten täglich von Quedlinburg und zurück geben wird, darunter auch Fahrten zum Brocken. Dabei muss in Eisfelder Talmühle umgestiegen werden. Der Preis zum höchsten Berg des Harzes und zurück beträgt 24 Euro, wie von jeder anderen Haltestelle der HSB auch. "Wir haben uns dieser Philosophie verschrieben, damit nicht alle Fahrgäste zum Brocken bis nach Schierke mit dem Auto fahren, wenn die Preise gestaffelt wären", nannte Matthias Wagener eine von Anfang an verfolgte Strategie.

Fahrkarten wird es im Dampfladen am Quedlinburger Markt täglich zu den Öffnungszeiten von 9.30 bis 18 Uhr, im Winterhalbjahr bis 17 Uhr, geben. Eine Anzeige im Schaufenster weist immer auf den nächsten Zug hin, der in Quedlinburg abfährt. Mit der Q-Bus Nahverkehrsgesellschaft ist die HSB im Gespräch, damit in deren Service-Punkt im Quedlinburger Bahnhof auch Karten für die Schmalspurbahn verkauft werden. Geplant ist, dass am Wochenende zumeist Dampfzüge fahren, in der Woche zumindest ein Zug pro Tag unter Dampf stehen soll. Die Geschäftsführung der HSB ist fest davon überzeugt, mit Quedlinburg deutliche Fahrgastzuwächse zu erreichen. "Hier ergänzt sich die Attraktion Weltkulturerbe mit der Attraktion Schmalspurbahn", bekannte Matthias Wagener.





Ausgabe 6/2005 Seite 20/21

Meterspur nach Quedlinburg

Harzer Schmalspurbahn wird verlängert


Foto: Jürgen Steimecke Mallet-Lok 99 5906 diente am 18.4.05 in Gernrode als Kulisse beim ersten Spatenstich mit Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Daehre (2. v. r.)



Foto: Jürgen Steimecke

Dieser Gleisplan von Gernrode zeigt die künftige Gleisverbindung vom HSB-Schmalspusrbahnhof zur ehemaligen Normalspurstrecke
Der Gleisplan lässt sich durch Anklicken in einem neuen Fenster vergrößert betrachten.

Foto: Severin Ferrée Gernrode bleibt auch künftig Einsatzstelle für die Selketal-Fahrzeuge.

Millimeterarbeit beim neuen Gleis

Gernrode bekommt neuen Bahnsteig


VON Detlef Anders, 21.04.05, 18:19h, aktualisiert 21.04.05, 21:04h

Gernrode/MZ. Mit ohrenbetäubendem Geratter bewegen sich Stahlfinger zwischen den Gleisen. Durch die Vibrationen wird der Schotter festgerüttelt, während ein Maschinenteil davor die Schienen und Schwellen angehoben hat. Dann wird das Gleis wieder abgesenkt. Andreas Bodemann kontrolliert in seinem Messwagen die Höhe und anhand eines Laserstrahls die Ausrichtung des Gleises. Es ist Millimeterarbeit, die die 33 Tonnen schwere Gleisstopfmaschine am Gernröder HSB-Bahnhof leistet.

"Wenn die Leute das sehen könnten, die das damals gebaut haben", malt sich Herrmann Thiele beeindruckt aus. "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen und wie viel Kraft vor über 100 Jahren nötig waren, um die Schmalspurgleise zu verlegen", meint der Gernröder. "Wir sind etwas über 20 Mann, berichtete Polier Bernhard Sadowski vom Erfurter Gleisbau. Seit genau 100 Jahren baut seine Firma Gleise. Schienen für eine Schmalspurbahn hat Sadowski noch nicht verlegt, doch in Erfurt und Gotha fahren auch die Straßenbahnen mit 1 000 Millimeter Spurweite. Gernrode ist für dem Gleisbauer also nichts Besonderes.


Auf dem Gernröder Bahnhof wird seit Montag dieser Woche gebaut. Aktuelle Webcam-Fotos vom Bahnhof sind unter www.hsb-wr.de, unter der neuen Seite zur Streckenerweiterung nach Quedlinburg zu sehen. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)

400 Meter Gleisanlagen werden bis Ende nächster Woche beim Umbau des Gernröder Bahnhofes vom End- zum Kreuzungsbahnhof angepasst sowie vier Weichen neu- oder umgebaut. Am Bahnhof wird ein Mittelbahnsteig neu gebaut. Bereits am Sonnabendvormittag sollen die Züge wieder normal aus Gernrodes Bahnhof fahren können, sagt Bernhard Sadowski. Dafür wird mitunter bis in die Nacht gearbeitet. Der erste Bauabschnitt wird an der Vorsignalbake enden. Die steht seit einer Woche auf freie Fahrt, doch bis der erste Zug nach Quedlinburg rollen kann, wird noch über ein Jahr vergehen.

Der Auftrag für den zweiten Bauabschnitt, der den Neubau von zwei automatischen Halbschrankenanlagen im Bereich des Bahnhofes Bad Suderode sowie den Austausch der alten Normalspurgleise (1 435 Millimeter) gegen Schmalspurgleise umfasst, ist noch nicht vergeben. Der langwierigste Teil des Baus ist nach Angaben von Jörg Bauer, dem Betriebsleiter der Harzer Schmalspurbahnen, die Planung. In Quedlinburg müssen durch die Deutsche Bahn zwei Stellwerke aufgelöst, das Stellwerk Ost zum Zentralstellwerk umgebaut sowie drei Bahnsicherungsanlagen neu gebaut werden. Der HSB obliegt der Neubau als Endbahnhof der Selketalbahn. Dazu gehört auch ein neuer Wasserkran für die Dampflokomotiven. Bis zum Weiterbau dauert es also noch etwas.

Wernigerode für Brecht gutes Vorbild

Baustart für längere Selketalbahn in Gernrode vollzogen
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Pressemitteilung

der Harzer Schmalspurbahnen GmbH und des Ministerium für Bau und Verkehr
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Quedlinburg bekommt Anschluss an Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen


Magdeburg. MBV/LSA. Die Unesco-Welterbestadt Quedlinburg bekommt bis Mitte 2006 einen direkten Anschluss an das mit historischen Dampfloks betriebene Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen. In den nächsten Monaten soll dazu die rund 8,5 Kilometer lange Bahnverbindung nach Gernrode für den Schmalspurbetrieb umgerüstet werden.
Die Kosten des Vorhabens von knapp sechs Millionen Euro trägt das Land.

"Die Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg ist eine wichtige Investition in die Zukunft der Harz- und Vorharzregion", betonte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre heute beim offiziellen Beginn der Bauarbeiten in Gernrode. Touristische Attraktionen würden so auf reizvolle Weise miteinander verbunden. "Ich bin davon überzeugt, dass dieses Angebot bei Urlaubern, Besuchern und Einheimischen gleichermaßen auf große Resonanz stoßen wird", äußerte der Minister.

Über die so genannte Nordharzautobahn B6n werde Quedlinburg in den nächsten Jahren zudem eine schnelle Fernstraßenanbindung erhalten und so auch für Besucher aus entfernteren Gegenden bequem erreichbar sein. "Daraus ergeben sich bedeutende Wachstumspotenziale für die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt, die wir durch die angestrebte Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger zielgerichtet fördern wollen", so Daehre.

Die Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg wird voraussichtlich bis zur Mitte des nächsten Jahres abgeschlossen sein. Das Schienennetz der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), zu dem neben der Selketalbahn auch die Harzquer- und die Brockenbahn gehört, umfasst dann mehr als 140 Kilometer.

HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener dankte dem Land Sachsen-Anhalt für das erneute sichtbare Bekenntnis des Landes zum touristischen Leistungsträger HSB. Die großzügige Förderung in eine neue Schmalspureisenbahninfrastruktur sei in der heutigen Zeit deutschlandweit - wenn nicht europaweit - einmalig und lege damit die Voraussetzung dafür, speziell das romantische Selketal, aber auch den gesamten Harz durch das erweiterte Gesamtstreckennetz noch attraktiver zu präsentieren.

In Quedlinburg eröffnet die HSB bereits im Sommer 2005 den neuen "Dampfladen Nr. 7" auf dem Marktplatz, so dass Einheimische und Touristen schon frühzeitig die Möglichkeit haben, sich über den Baufortschritt sowie über das umfangreiche Verkehrs- und Souvenirangebot der HSB zu informieren.

Bauleistungen im Überblick:

  • ca. 8,5 km Umbau Strecke vom Regelspur (1435 mm) auf Schmalspur (1000 mm)

  • Bahnhof Gernrode wird vom End- zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut
    • vier Weichen neu-/umgebaut
    • 400 m Gleisanlagen angepasst, Bahnsteig saniert

  • Freie Strecke von Gernrode bis Quedlinburg
    • zwei Bahnübergangssicherungsanlagen im Bereich des alten Bf. Bad Suderode neu aufbauen (Halbschrankenanlagen)

  • Bahnhof Quedlinburg HSB-Teil
    • Neubau als Endbahnhof der Schmalspurbahn
    • drei Gleise; drei Weichen; Gleisumbau
    • Anpassung Nebenanlagen, neuer Wasserkran für Dampflokomotiven

  • Bahnhof Quedlinburg DB-Teil
    • Auflösung von zwei Stellwerken
    • Umbau des Stellwerks Quedlinburg Ost zum Zentralstellwerk
    • Einbau einer Weiche
    • Drei Bahnübergangssicherungsanlagen neu aufbauen (Halbschrankenanlagen)

Weitere technische Informationen:

Grundlage für die Baumaßnahme ist eine vom Ministerium für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Machbar-keitsstudie.

Danach soll zunächst der HSB-Bahnhof Gernrode zu einem Kreuzungsbahnhof mit Rückfallweichen ausgebaut und ein vorhandener einseitiger Zwischenbahnsteig saniert werden. Am Ende des heutigen Hausbahnsteiges am Empfangsgebäude (aus Richtung Alexisbad gesehen) wird die Ausfädelung der neuen Strecke in Richtung Quedlinburg mit dem Umbau der dortigen Weichenstraße erfolgen.
Die neue Strecke wird dann quer über die heutige als solche nicht mehr genutzte Ladestraße verlaufen und etwa in Höhe der Straße Am Töpferstieg die derzeitige Regelspurstrecke erreichen. Damit können die bisherigen Rangier- und Abstellgleise im Bereich zwischen der Triebfahrzeugeinsatzstelle und der ehemaligen Umladung weiter in bisheriger Form genutzt werden, so dass auch künftig genügend Abstellkapazitäten für den Regel- und Sonderreiseverkehr zur Verfügung stehen.

Das regelspurige Streckengleis von Gernrode bis Quedlinburg muss zunächst vollständig zurückgebaut werden. Allerdings ist der Unterbau in einem relativ guten Zustand, so dass er auch wegen der geringeren Achslasten der Schmalspur sowie der schwächeren Zugfrequenz unverändert weiter genutzt werden kann. Die weitere Nutzung der Schwellen dagegen ist nicht möglich. Die zwei mechanischen Vollschrankenanlagen in Bad Suderode werden in automatische Anlagen umgerüstet. Die Bahnsteige am heutigen Gleis 1 in Bad Suderode und am Haltepunkt Quedlinburg-Quarmbeck können künftig weiter genutzt werden.

Selketalbahn wird verlängert

zuletzt aktualisiert: 18. April 2005 | 12:55

Ein HSB-Zug verlässt Mägdesprung

Quedlinburg wird an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen angeschlossen. Heute haben die Bauarbeiten zur Erweiterung der Strecke bis in die UNESCO-Weltkulturerbestadt begonnen. Bisher enden die Gleise in Gernrode. Mitte des nächsten Jahres sollen die Züge der Selketalbahn dann 8,5 Kilometer weiter bis nach Quedlinburg fahren.

Von Quedlinburg bis zum Brocken

Die Baukosten von sechs Millionen Euro trägt das Land. Mit der Verlängerung der Selketalbahn erweitert sich das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen auf 140 Kilometer. Künftig wird es dann auch möglich sein, von Quedlinburg aus mit den von Dampfloks bespannten Zügen auf den Brocken zu fahren.
Ab nächstes Jahr startet die Selketalbahn in Quedlinburg

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre sagte vor Baubeginn, die Erweiterung des Streckennetzes solle neue Impulse für den Tourismus im Harz bringen. Die Harzer Schmalspurbahnen zählten im vorigen Jahr auf den drei Strecken ihres Netzes, der Harzquer-, Selketal- und Brockenbahn, rund 1,1 Millionen Fahrgäste.

Neue Strecke der Selketalbahn kurbelt Tourismus an

Verkehrsminister Daehre sieht Verbindung Gernrode-Quedlinburg optimistisch
erstellt 18.04.05, 07:39h, aktualisiert 18.04.05, 14:25h

Magdeburg/dpa. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) erwartet durch die Erweiterung des Streckennetzes der Harzer Schmalspurbahnen GmbH neue Impulse für den Tourismus im Harz. «Die Verlängerung der Selketalbahn ist eine wichtige Investition in die Zukunft der Harz- und Vorharzregion», sagte er der dpa. «Ich bin davon überzeugt, dass dieses Angebot bei Urlaubern ebenso wie bei Einheimischen auf große Resonanz stoßen wird.» Von Mitte nächsten Jahres sollen die Dampfloks auch zwischen Gernrode und der UNESCO-Weltkulturerbestadt Quedlinburg rollen. An diesem Montag beginnen die Bauarbeiten.


Auf dem Bahnhof in Gernrode (Kreis Quedlinburg) wartet ein Zug der Selketalbahn auf die Ausfahrt. (MZ-Foto: Jürgen Meusel)

Das Land fördert den Bau der Schmalspurtrasse laut Daehre mit sechs Millionen Euro. Mit der Verlängerung der Selketalbahn um 8,5 Kilometer erweitert sich das Streckennetz künftig auf eine Gesamtlänge von 140 Kilometern. Künftig wird es auch von Quedlinburg aus möglich sein, mit von Dampfloks bespannten Zügen auf den Brocken, den höchsten Berg des Harzes, hinauf zu fahren. Die Harzer Schmalspurbahnen zählte im vorigen Jahr auf den drei Strecken ihres Netzes, der Harzquer-, Selketal- und Brockenbahn, rund 1,1 Millionen Fahrgäste.



Für die HSB eine kleine Sensation: Züge dampfen bald bis Quedlinburg

Harzer Schmalspurbahnen beginnen heute Ausbau im Selketal

Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) beginnen heute mit der Verlängerung ihrer Selketalstrecke. Vom kommenden Sommer an müssen Zugreisende nicht mehr in Gernrode aussteigen, die Dampfzüge fahren dann bis Quedlinburg weiter. Das Land zahlt für den 8, 5 Kilometer langen Gleisneubau rund 6, 2 Millionen Euro.

Wernigerode. Für Jörg Bauer bedeutet der heutige Tag „schon eine kleine Sensation“. Wann sonst, so der oberste Betriebsleiter der Harzer Schmalspurbahnen, werde in Deutschland begonnen, eine reine Schmalspurstrecke zu bauen? Laut Bauer gab es das zuletzt 1948, und zwar zwischen Glöwen und Havelberg. Diese Strecke im Brandenburgischen wurde jedoch 1971 von der Reichsbahn wieder eingestellt.

Im Harz also ist dieses kleine Bahnwunder heute in Gernrode zu erleben. Der Aufbau der rund 8, 5 Kilometer langen bis Quedlinburg führenden Gleise beginnt mit einem Abriss. Der HSB-Bahnhof dort muss so umgebaut werden, dass die Dampflokomotiven und Triebwagen auf die frühere Strecke der Deutschen Bahn gelangen können, die bis in die Welterbestadt Quedlinburg führte. Die „große Bahn“ ließ am 31. Januar 2004 letztmalig ihre Züge zwischen Quedlinburg – Gernrode – Frohse fahren und schloss somit ein 139-jähriges Kapitel der Bahngeschichte. Dieses Aus bedeutete für die „kleine Bahn“ die große Chance, ihre Züge bis nach Quedlinburg rollen zu lassen. Mit Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre wurden sich die Wernigeröder HSB-Verantwortlichen schnell einig, bereits im Dezember 2003 war ein Papier unter Dach und Fach. Das Land unterstützt eine Verbindung der touristischen Höhepunkte Harzer Schmalspurbahnen und Welterbestadt, heißt es darin. Nachdem mit 600 000 Euro Studien und Planungen finanziert wurden, werden bis zum nächsten Jahr etwa 5, 6 Millionen Euro in eine verlängerte Selketalbahnstrecke verbaut sein.


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Die HSB profitiert dabei vom noch immer guten Zustand der stillgelegten Strecke gen Quedlinburg. Die Betonschwellen werden zwar wie zunächst das gesamte Streckengleis demontiert, doch das Schotterbett und sogar die Schienen können wieder verwendet werden. Der Bahnhof in der Welterbestadt wird so umgebaut, dass Sonderzüge der Schmalspurbahn mit bis zu acht Wagen auf den Gleisen 3 und 4 halten können.

Spricht Jörg Bauer von einem Bahnwunder, so hofft Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht auf ein finanzielles Wunder. Aus seiner Stadtkasse sind nämlich anteilig die Kosten für moderne Bahnübergänge oder die Umgestaltung des Bahnhofs samt Großparkplatz auf dem früheren Güterbahnhof zu bezahlen. Doch Quedlinburg ist pleite. Gleichwohl weiß Brecht um die Chancen aus dem HSB-Anschluss für seine Stadt: „Wir haben Anlauf genommen, die finanziellen Hürden zu überwinden, aber noch sind wir nicht drübergesprungen.“

Nicht nur Quedlinburg, auch die Wernigeröder HSB-Chefetage verspricht sich ein gutes Geschäft. Mehr als eine Million Fahrgäste werden jährlich durch den Harz gefahren. Nur, auf den bislang 52 Kilometern im Selketal sind es gerade mal 110 000 Reisende. Gelänge es, nur zehn Prozent der schätzungsweise eine Million Tagestouristen in Quedlinburg zum Einsteigen in die Triebwagen oder von Dampflokomotiven gezogenen Waggons zu bewegen, könnte die HSB ihr Fahrgastaufkommen dort nahezu verdoppeln. Die ersten Reisenden sollen die Welterbestadt im Sommer 2006 per HSB erreichen können. Das genaue Datum will die Bahn erst in einem halben Jahr nennen, wenn alle Planungen genehmigt sind.

Die Selketalbahn ist offenbar für Bahner-Euphorien bestens geeignet. Als 1905 die Gleise von Gernrode-Harzgeroder-Eisenbahn und Nordhausen-Wernigeroder-Eisenbahn am Bahnhof Eisfelder Talmühle miteinander verbunden wurden, war „von einem Meilenstein der Verkehrsentwicklung im Harz“ die Rede. Klingt doch irgendwie auch nach einer Sensation.

Von Tom Koch



Mit Volldampf nach Quedlinburg

Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen wird erweitert - Neue Route zum Brocken

VON Detlef Anders, 17.04.05, 18:16h, aktualisiert 17.04.05, 18:18h

Gernrode/MZ. Zwischen den Gleisen wuchert Unkraut. Die Scheiben der Veranda an dem Gernröder Bahnhofsgebäudes sind eingeworfen. Die Uhr über dem Eingang ist um Punkt 12 stehen geblieben. Seit über einen Jahr fährt auf der Strecke der Deutschen Bahn kein Zug mehr. Doch die Ruhe trügt. Nebenan rangiert schnaufend eine Dampflok der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB). Bauarbeiter montieren Schienen auf Schwellen und schrauben sie zu Weichen zusammen. Die Schienen sind nur einen Meter breit. Schmalspurgleise.

Neun Zugpaare

Auf 8,5 Kilometer Länge wird die HSB auf einem Teil der stillgelegten Bahnlinie, die bis vor einem Jahr Quedlinburg mit Aschersleben verband, Schmalspurgleise verlegen. Der HSB-Kopfbahnhof Gernrode wird so zum Durchgangsbahnhof. Die Kosten für das rund sechs Millionen Euro teure Projekt trägt das Land Sachsen-Anhalt. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) gibt am Montag mit dem Geschäftsführer der HSB, Matthias Wagener, den Startschuss für das ungewöhnliche Vorhaben. Im Frühjahr 2006 kann - so sehen es optimistische Planungen vor - der erste Dampfzug rollen.


Noch fahren die Dampfzüge der Harzer Schmalspurbahn nur bis Gernrode. Doch schon im nächsten Jahr soll es bis nach Quedlinburg weitergehen. Mit den Gleisarbeiten für die Streckenerweiterung wird am Montag begonnen. Das Projekt ist einmalig in Deutschland. (MZ-Foto: Detlef Anders)

Täglich sollen neun Zugpaare unterwegs sein - in der Woche mehr Triebwagen, am Wochenende mehr Dampfzüge. "Die großzügige Förderung in eine neue Schmalspur-Eisenbahninfrastruktur ist deutschlandweit, wenn nicht sogar europaweit einmalig", so der HSB-Chef. Nun könne das Selketal, aber auch der gesamten Harz für noch mehr Touristen attraktiv gemacht werden.

Von einer Signalwirkung spricht auch Heiko Fricke, Chef des Freundeskreises Selketalbahn. Jahrelang war über eine Anbindung Quedlinburgs an das Netz der HSB diskutiert worden. Die Hoffnung darauf war schon fast erloschen, als im Herbst 2003 doch die entscheidende Weichenstellung in Richtung Harz erfolgte. Kurz nach dem Aus für den Nomalspurbetrieb zwischen Quedlingburg und Frohse gab es grünes Licht für den Lückenschluss zur HSB.

Die neue Bahnstrecke soll Magnetwirkung haben. So werden im Selketal künftig deutlich mehr Besucher erwartet. Bahnfans sollen in die Weltkulturerbestadt Quedlinburg gelockt und Kultururlauber zu einer nostalgischen Fahrt mit einem dampfbetriebenen Zug angeregt werden.

Mehr Übernachtungen

Quedlinburg ist schon jetzt für viele Touristen eine Reise wert, die Übernachtungszahlen stiegen im vergangenen Jahr um acht Prozent. Von diesem Trend dürfte auch die Schmalspurbahn profitieren. An Werbung wird es nicht fehlen: So will die HSB auf dem Quedlinburger Markt schon im Sommer einen Dampfladen eröffnen.

Von Quedlinburg aus soll es ab 2006 auch täglich eine Zugverbindung zum Brocken geben. Rund fünf Stunden wird die Fahrt vom Harzrand durch das Selketal über die Umsteigestation Ilfeld bis auf den höchsten Gipfel des Harzes dauern. Für Eisenbahnfans sicherlich ein Ereignis erster Ordnung.



131,2 Kilometer durch den Harz



erstellt 17.04.05, 18:16h, aktualisiert 17.04.05, 18:18h

Halle/MZ. Die Harzer Schmalspurbahn (HSB) fährt auf einem Steckennetz von 131,2 Kilometer durch die schönsten Gegenden des Harzes. Es ist das längste zusammenhängende Schmalspurnetz Deutschlands.

Ursprünglich waren es drei Gesellschaften, die den Harz wirtschaftlich mit der Bahn erschließen und den beginnenden Fremdenverkehr fördern wollten. Im Jahr 1886 wurde die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn AG (GHE) gegründet. Die Nordhausen-Wernigerode-Eisenbahn (NWE) folgte 1896, die Südharzeisenbahn von Walkenried nach Braunlage kam 1897 hinzu. 1913 wurden die Bahnen miteinander verbunden.

Die Südharzeisenbahn musste ihren Betrieb in Folge der deutschen Teilung einstellen. GHE und NWE wurden 1949 von der Deutschen Reichsbahn übernommen und bis 1993 geführt. Eine Betreibergesellschaft mit Anliegergemeinden und Landkreisen gründete am 1. Februar 1993 die HSB als GmbH.

Zur Harzer Schmalspurbahn gehören 44 Bahnhöfe und Haltepunkte, 400 Brücken und Durchlässe. Der Brockenbahnhof befindet sich auf einer Höhe von 1 125 Metern. Zum Fahrzeugpark der HSB gehören 25 Dampflokomotiven, sechs Triebwagen, 16 Diesellokomotiven und mehrere historische Personenwagen, die Eisenbahnromantik entlang von Bode und Selke sowie im Nationalpark Harz hinauf zum Brocken vermitteln. Jährlich fahren mehr als 1,1 Million Fahrgäste mit den Zügen der Harzer Schmalspurbahnen. Den größten Anteil verbucht die Brockenstrecke, auf der im vergangenen Jahr 690 000 Fahrgäste befördert wurden.



Gleisverlängerung bis Quedlinburg beginnt

Am 18. April ist der erste Spatenstich am Bahnhof Gernrode
17.4.2005
Gernrode (and). Der 18. April 2005 hat einen Platz in den Stadtchroniken von Gernrode und Quedlinburg sicher: Dann nämlich beginnt offiziell die Verlängerung des Schmalspurstreckennetzes im Selketal. Dabei handelt es sich um die Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg. Den Baustart durch den symbolischen Spatenstich geben Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre und der Geschäftsführer der "Harzer Schmalspurbahnen Gesellschaft mbH", Matthias Wagener um 10 Uhr am Bahnhof Gernrode. Um die touristischen Angebote noch besser miteinander zu verbinden, hatte die Landesregierung im Spätherbst 2003 beschlossen, die Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg mit knapp sechs Millionen Euro zu fördern. Die rund 8,5 Kilometer lange Eisenbahnverbindung mit Dampflokbetrieb soll im Jahr 2006 eröffnet werden. Sachsen-Anhalt investiert 5,6 Millionen in den Lückenschluss nach Quedlinburg. Möglich wird das, da bei der Umstellung des "Gleisbettes von Regelspur- auf Schmalspur" die bereits vorhandene rund 8,5-Kilometer-Trasse genutzt werde. Nach Aussagen von HSB-Chef Wagener ist die Morgen beginnende Erweiterung des Selketalnetzes ein Meilenstein in der mehr als 100jährigen Geschichte der Schmalspurbahnen im Harz. Er erhofft sich, wie auch Karl-Heinz Daehre mit dem Schmalspurbetrieb ab dem Bahnhof Quedlinburg ab 2006 einen Zuwachs an Fahrgästen. Mit dem "Lückenschluss nach Quedlinburg" plant die Wernigeröder Betreibergesellschaft außerdem in Quedlinburg Präsenz zu zeigen.

Baubeginn für die Streckenverlängerung nach Quedlinburg geplant


Ausgabe 2005/1

Jörg Bauer    Über die geplante Streckenverlängerung der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) von Gernrode (Harz) nach Quedlinburg wurde bereits berichtet. Nun steht der Baubeginn unmittelbar bevor.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte die HSB die erforderlichen Planungsleistungen europaweit ausgeschrieben. Nach Abschluß des Verfahrens wurde noch im Dezember der Auftrag an das Magdeburger Ingenieurbüro PTB vergeben.

Als erstes soll nun der Spurplan des Bahnhofs Gernrode (Harz) an die neuen Anforderungen angepaßt werden. Dies soll im Rahmen einer Vollsperrung vom 18. bis 22. April erfolgen. An diesen fünf Tagen müssen dann alle, von der Einsatzstelle Gernrode (Harz) erbrachten Leistungen im Schienenersatzverkehr gefahren werden.

Im Rahmen der Baumaßnahme werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß Gernrode (Harz) zukünftig als Kreuzungsbahnhof genutzt werden kann. Dazu werden die beiden Bahnsteiggleise 11 und 12 als Hauptgleise mit Einfahrmöglichkeit über je eine Rückfallweiche von Alexisbad nach Gleis 11 und von Quedlinburg nach Gleis 12 ausgebaut. Das Gleis in Richtung Quedlinburg wird unmittelbar vor dem ehemaligen GHE-Verwaltungsgebäude quer über die Ladestraße verlaufen, um die bisherige Regelspurstrecke zu erreichen. Der bisher an Gleis 12 angeschlossene Schuppen für einen Schienenkleinwagen wird neu durch Verlängerung des parallel zur Lokhalle liegenden Gleises 13 angeschlossen. Das parallel zur Ladestraße liegende Gleis 21 ("Schwalbenschwanz") wird neu an das Streckengleis nach Quedlinburg angebunden.
Die Rangier- und Abstellgleise werden ebenfalls neu an das Quedlinburger Streckengleis angeschlossen, so daß direkte Rangierfahrten von und nach den Gleisen 11 und 12 möglich werden.
Mit dieser Spurplanänderung erhalten die Gleise 11 und 12 eine Nutzlänge von etwas mehr als 80 m, so daß Kreuzungen der im Selketal im Regelfall eingesetzten Züge problemlos möglich werden. Die derzeitigen Abstellkapazitäten bleiben durch den jetzt erarbeiteten Gleisplan ebenfalls in nahezu unverändertem Umfang erhalten.

Nach Abschluß dieser ersten Baumaßnahme zur Verlängerung der Selketalbahn nach Quedlinburg wird der Bahnhof Gernrode (Harz) zunächst weiter in der bisherigen Form als Endbahnhof genutzt. Das Gleis in Richtung Quedlinburg wird als Baugleis behandelt werden. Damit können die weiteren Arbeiten zum Umbau der Strecke auf Schmalspur unabhängig vom Eisenbahnbetrieb auf der Selketalbahn erfolgen.

Mit Volldampf bald bis Quedlinburg: Schmalspurbahnen planen Ausbau

02.02.2005

Mit Volldampf geht die HSB (hier ein Personenzug bei Drei Annen Hohne) in das nächste Geschäftsjahr. Trotz allgemein schwieriger Wirtschaftslage konnte die Bahn ihr Spitzenergebnis von 2003 fast wieder erreichen. Foto: Frank Drechsler
Mit Volldampf geht die HSB (hier ein Personenzug bei Drei Annen Hohne) in das nächste Geschäftsjahr. Trotz allgemein schwieriger Wirtschaftslage konnte die Bahn ihr Spitzenergebnis von 2003 fast wieder erreichen. Foto: Frank Drechsler
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Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) schloss das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich ab und nimmt in diesem Jahr ein Großprojekt in Angriff. Zudem sollen attraktive Sonderangebote neue Fahrgäste anlocken.

Wernigerode. In dreieinhalb Monaten startet die HSB ein Projekt, das schon jetzt Bahnenthusiasten elektrisiert: Am 18. April beginnt der Bau der Strecke Gernrode-Quedlinburg. Zum ersten Mal seit 1948 entsteht damit in Deutschland eine neue Schmalspurverbindung. Mit der 8, 4 Kilometer langen und 6, 5 Millionen Euro teuren Strecke werden bis zum Sommer 2006 die Weltkulturerbestadt Quedlinburg und der Kurort Bad Suderode an das 132 Kilometer lange HSB-Netz angeschlossen. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) wirbt bei jeder Gelegenheit für das Projekt. „Das Geld ist gut angelegt. Die Harzer Schmalspurbahnen haben sich zu einem touristischen Markenzeichen über die Landesgrenzen hinaus entwickelt“, lobte er in dieser Woche.

HBS-Geschäftsführer Matthias Wagener (47), der kürzlich die Unternehmensbilanz 2004 vorgestellt hatte, sieht sich bestätigt. „Wir versprechen uns mit der neuen Strecke eine weitere Aufwertung für unsere Bahn und den Harz. Quedlinburg ist ein attraktiver Endpunkt für Harzurlauber. Auch werden wir Verbindungen von Quedlinburg zum Brocken anbieten“, sagte er.


Die Bilanz 2004 fiel mit mehr als 1, 1 Millionen Fahrgästen und dem zweitbesten Umsatz seit der Reprivatisierung 1993 positiv aus. „Wir haben unser Niveau von 2002 stabilisiert, verzeichneten wegen der ungünstigen Lage von Feiertagen aber einen Fahrgastrückgang um fünf Prozent gegenüber 2003“, sagte Wagener. Ausnahme: die Südharzstrecke Nordhausen–Ilfeld. Dort fährt die HSB gemeinsam mit den Stadtwerken Nordhausen im Nahverkehr. Einmalig: Die Stadt Nordhausen ließ extra diesel-elektrische Straßenbahnen bauen, die sowohl auf Straßenbahn- und HSB-Gleisen fahren können. Die weltweit einzigartigen Triebwagen brachten auf der Südharzlinie ein Plus von 22 000 Fahrgästen (12, 5 Prozent). Bonus für Einheimische und Vielfahrer

Mit neuen Sonderangeboten will die „Größte unter den Kleinen“ (Eigenwerbung) in diesem Jahr ihre Position ausbauen. Eine „HSB-FamilienCard“ kann (dem neuen Familienbegriff folgend) jetzt auch von zwei Frauen oder zwei Männern plus maximal drei Kindern genutzt werden. Für 60 Euro kann eine solche Truppe einen ganzen Tag im Harz herumkurven, auch auf der Brockenbahn. Für Einheimische und Bahnbegeisterte erdachte man eine „SparCard“. Erwachsene und Kinder bekommen damit eine Fahrt gratis und alle weiteren binnen eines Jahres zum halben Preis. Besteigen sie nach 14. 30 Uhr den Zug, sparen sie sogar 75 Prozent.

Ebenfalls neu: Hoteliers und andere Vermieter bekommen bei der Abnahme von mindestens 20 Fahrscheinen Rabatt.

Angesichts gestiegener Preise für Steinkohle, Diesel, Wasser und Schienenstahl erhöht die Bahn zum ersten Mal seit 2001 die Preise auf der Brockenstrecke. Die einfache Fahrt kostet ab Fahrplanwechsel 30. April 16 Euro (vorher 14), für Hinund Rückfahrt werden 24 Euro (vorher 22) fällig. Laut Wagener liege man damit „gut im Feld der deutschen Schmalspurbahnen“. Wichtig: Der Brocken-Preis gilt von und zu jedem HSB-Bahnhof. Damit soll vermieden werden, dass Reisende mit ihren Autos das kleine Schierke verstopfen, nur um ein paar Euro für die Brockenfahrt zu sparen. Auf den anderen Strecken bleibt der Preis gleich oder wird, wie zwischen Netzkater und Nordhausen, gesenkt.

Wer keine Gelegenheit zum Mitfahren hat, kann künftig wenigstens so tun, als ob: In ihren Souvenirläden bietet die Bahn eine Brockenfahrt-DVD an. Außerdem gibt es Klappkarten mit dem Original-Pfeifen und Schnaufen einer Dampflok.
Von Winfried Borchert



Ab April rückt das Selketal näher nach Quedlinburg



Baustart für Verlängerung der Schmalspurbahn - Projekt wird teurer

VON Hendrik Kranert, 26.01.05, 18:07h, aktualisiert 26.01.05, 19:19h

Wernigerode/MZ.  Baubeginn für die Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg ist am 18. April dieses Jahres. Das kündigte der Geschäftsführer der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), Matthias Wagener, am Mittwoch während der Bilanzpressekonferenz 2004 der HSB an. "Der erste Zug soll im Sommer 2006 rollen", erklärte Wagener.

Allerdings wird sich das Bauvorhaben deutlich verteuern - statt der veranschlagten 5,6 Millionen Euro wird jetzt mit bis zu einer Million mehr gerechnet, sagte Betriebsleiter Jörg Bauer: "Das ist aber finanzierbar, Gespräche laufen." Grund sind die zahlreichen Änderungen, die an der oft noch mechanischen Sicherungs- und Signaltechnik vorgenommen werden müssten. Der für die Bedienung notwendige Personalbedarf sei auf Dauer nicht finanzierbar. Die HSB wird daher zusammen mit der Bahn AG das Stellwerk am Ostende des Bahnhofs zum zentralen für den gesamten Zugverkehr umbauen, das Stellwerk Stresemannstraße wird geschlossen. Die drei innerstädtischen Schrankenanlagen werden elektronischen weichen.

Der Neubau der Schmalspurstrecke beginnt aber in Gernrode, wo der Kopf- in einen Durchgangsbahnhof verwandelt wird. Dazu werden zwischen dem 18. und 22. April Gleise neu verlegt, so dass in dieser Zeit im Selketal nur Schienenersatzverkehr gefahren werden kann. Anschließend arbeiten sich die Gleisbauer in Richtung Quedlinburg vor. Dort will die Bahn AG ihre nicht mehr benötigten Gleise bis auf zwei (Bahnsteig 1 und 2) zurückbauen. Bahnsteig 3 wird für die Selketalbahn umgebaut. Derzeit laufen Gespräche mit der Stadt und der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) zum Bau eines Park & Ride-Parkplatzes auf dem Gelände des bisherigen Güterbahnhofes. Wagner zufolge ist klar, dass ein solcher Parkplatz unbedingt gebraucht wird, um die bereits jetzt unbefriedigende Parksituation zu ändern.

Im vergangenen Jahr nutzten erneut mehr als 1,1 Millionen Fahrgäste die Züge auf dem mit 132 Kilometer längsten Schmalspurnetz Europas. Der Umsatz lag bei 8,7 Millionen Euro. Damit konnte man zwar nicht ganz an die Zahlen von 2003 anschließen, dennoch zeigte sich Geschäftsführer Wagener mit dem zweitbesten Jahresergebnis seit 1993 zufrieden. Als Ursache für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr nannte er das Fehlen von Feier- und Brückentagen zur Urlaubsverlängerung und das im Gegensatz zum Jahrhundertsommer 2003 deutlich schlechtere Wetter. Das führte vor allem auf der Brockenstrecke zu einem Rückgang von fünf Prozent auf 690 000 Fahrgäste. Harzquer- und Selketalbahn verzeichneten stabile Zahlen, der Bereich Nordhausen-Ilfeld legte um 22 000 auf 199 000 Fahrgäste zu.

Dornröschenschlaf: Seit der Stilllegung der Bahnstrecke Quedlinburg-Aschersleben im Januar 2004 hat der Bahnhof Bad Suderode seine Aufgabe verloren. Ab Sommer 2006 soll sich das wieder ändern. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)









Mit Volldampf bald bis Quedlinburg: Schmalspurbahnen planen Ausbau

10.6.2004


Bahn-Romantik pur: Ein Zug der Harzer Schmalspurbahnen im Selketal auf dem Weg von Alexisbad nach Stiege. Foto: Frank Drechsler
Magdeburg - Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) gehören zweifelsohne zu den größten Attraktionen des Harzes. Nun soll auch die Stadt Quedlinburg an das 132 Kilometer lange Schienennetz angeschlossen werden. Das Geld kommt vom Verkehrsministerium. In Zukunft sind dann Fahrten von Quedlinburg bis auf den Brocken möglich.
Noch keine Einigung über den Kaufpreis Fahrgäste zum größten Teil Touristen
Im Mai hatte das Verkehrsministerium die ersten 600000 Euro für die Planung der Streckenerweiterung bereitgestellt. Das Schienennetz der Selketalbahn - eine Teilstrecke der HSB im südöstlichen Harz - soll zukünftig von Gernrode über Bad Suderode nach Quedlinburg reichen. 8,5 km lang wäre dieser neue Abschnitt. Bislang verkehrt die Selketalbahn zwischen der Eisfelder Talmühle und Gernrode. Insgesamt will das Land den Anschluss der touristisch wichtigen Weltkulturerbestadt an das HSB-Netz mit 5,6 Millionen Euro fördern.

Die Strecke wird nicht komplett neu gebaut, sondern soll einer 2003 stillgelegte Strecke der Bahn AG folgen. Die Mittel sind für die Umstellung der Gleisanlage auf den Schmalspurbetrieb vorgesehen, vor allem aber für den Bau von bahntechnischen Sicherungsanlagen, die dann vom Fahrdienstleiter der HSB und nicht mehr von der Deutschen Bahn kontrolliert werden.

Die ersten Fahrgäste werden jedoch nicht vor 2006 von Quedlinburg aus in den Hochharz "losdampfen" können. Rüdiger Simon, kaufmännischer Leiter der HSB: "Wir hoffen, dass wir uns in diesem Jahr mit der Deutschen-Bahn-Netz AG über die Übernahme der DB-Gleisanlage einigen können. Dann würde die Strecke 2005 gebaut und 2006 für den Bahnverkehr freigegeben werden."

Bislang gebe es Meinungsverschiedenheiten über den Kaufpreis. Auch sei noch nicht entschieden, ob die Gleisanlage gekauft oder geleast werde. Für Simon jedoch kein Grund zur Besorgnis: "Wie bei jedem Geschäft gibt es strittige Fragen, die geregelt werden müssen. Aber es gibt keinen Anlass, am grundsätzlichen Zustandekommen einer Vereinbarung mit der Bahn zu zweifeln."

Obwohl noch nicht alle Fragen der Gleis-Übernahme geklärt sind, ist die Planung einer Erweiterung schon weit vorangeschritten. Am Bahnhof Gernrode soll ein neuer Zwischenbahnsteig errichtet werden. In Gernrode trifft die vom Bahnhof bis zur Straße Am Töpferstieg neue Schmalspurstrecke auf das bestehende Gleis der Deutschen Bahn. Diese Gleisanlage muss bis Quedlingburg auf die 1000 Millimeter Spurbreite der Schmalspurbahn umgebaut werden. Es wird eine Gleisanlage geben, die jeweils nur in die eine oder andere Richtung benutzt werden kann. Simon: "Den Unterbau nutzen wir vom Vorgängergleis. Auch ein Großteil der eigentlichen Gleise kann wiederverwendet werden." Nur die Schwellen müssen komplett erneuert werden, da sie aus Beton sind. "Schade. Wären sie aus Holz, könnten sie für den Schmalspurbetrieb umgenutzt werden", bedauert Simon.

Zwischen Gernrode und Quedlinburg wird es einen Halt in Bad Suderode geben. Die beiden mechanischen Vollschrankenanlagen in diesem Ort werden zu automatischen Anlagen umgerüstet. Im Quedlinburger Stadtgebiet werden die Schmalspurbahn und die Züge der Bahn AG in Richtung Thale fünf gemeinsame Schrankenanlagen passieren. "Die Wartezeiten werden dort aber eher geringer sein als bisher, da die Schmalspurbahn deutlicher weniger nach Gernrode fahren wird als es im Fahrbetrieb der Deutschen Bahn üblich war", so der kaufmännische Leiter der HSB.

Etwa 15 Zugpaarverbindungen gab es vor 2003 auf dieser Strecke täglich. Die HSB planen im Sommer sieben und im Winter sechs tägliche Zugpaarverbindungen. Die Fahrgäste werden, so glaubt Simon, größtenteils Touristen sein: "Für Berufspendler lohnt sich mehr der öffentliche Busverkehr."

Touristen, die von Quedlinburg sogar bis auf den Brockengipfel fahren möchten, werden eine Reisezeit von zwölf Stunden veranschlagen müssen. Dies wird also mehr den eingefleischten Bahn-Fans vorbehalten bleiben. Aber die Fahrt ins landschaftlich reizvolle Selketal aus der Fachwerkstadt wird bestimmt viele Interessenten finden.

Einen Fahrpreis für die Fahrt von Quedlinburg nach Gernrode will Rüdiger Simon zwar nicht nennen. "Aber er wird sich etwa in der Höhe bewegen, die eine Fahrt von Gernrode nach Alexisbad kostet." Und diese Fahrkarte kostet derzeit vier Euro.

Von Oliver Schlicht


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